Zweiter Hauptteil.
v.
Berichte der Portugiesen über das Land.
I. Name, Lage und Grenzen.
a) Name.
Der Name des Landes, das wir heute allgemein Abessinien nennen, hat, wie so viele geographische Ausdrücke, seine Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte vielfach gewechselt. 1 ) Unsicher wie die Herkunft des Volkes ist auch die des Namens.
Zum ersten Male finden wir den Namen Abessinien in einem griechischen Fragmente aus dem 4. oder 5. Jahrhundert, in dem das Land der Champesiden, fj yri roöv Xafinsoidoav, erwähnt wird. 2 ) Sonst sprechen die Schriftsteller des Altertums nur von „Aethiopien". 3 ) Strabo versteht unter Aithiopia, dem Lande der Brandgesichter, den ganzen südlichen Erdabschnitt nach dem Okeanos zu.
Je mehr sich die Kenntnis dieses südlichen Teiles der Erde, des dunklen Kontinentes, erweiterte, um so enger zog man die Grenzen dieses Begriffes. Verschiedene Versuche, das unbestimmte Fabelland mit einem Lande der Wirklichkeit zu identifizieren, blieben erfolglos. Am leichtesten ließen sich die Aithiopen in den Bewohnern Nubiens wiedererkennen; aber von ihren Wohnsitzen aus dehnte sich das Land der Aithiopen weit hinaus in sonst völlig unerforschte Gebiete. So läfst sich
r ) Vgl. Rohlfs: Abessinien — Aethiopien. Deutsche Rundschau für Geogr. u. Statistik 1891, p. 13.
2 ; Vgl. oben p. 20. — Durch Lautverschiebung wird (j.- = b, anlautendes x = ü i das oft ganz wegfällt.
3 ) Vgl. Pauly-VVissowa: Realenzyklopädie, I. Bd., Artikel: Aithiopia (Pietzschmann).