Vorwort.
Afrikas Boden ist fast ganz aufgeteilt unter Europas Kulturvölker. Das einzige, der Einwirkung europäischer Mächte noch nicht erlegene Land ist heute Abessinien. Die Natur des Landes hat die unerschütterte Selbständigkeit bedingt. Wie eine ungeheure, felsige, aus dem Meer aufsteigende Insel erhebt sich Abessinien aus den das Land auf drei Seiten umziehenden afrikanischen Ebenen zu alpinen Höhen. Vom Ufer des Roten Meeres getrennt durch einen heifsen Wüstensaum, über ihn sich aufschwingend mit steilen Berggründen, innerlich so wild zerschnitten von tiefen, steilwandigen Stromtälern, dafs die Beherrschung des Ganzen Eindringlingen nicht leicht gelingt.
So bietet die Geschichte der Erforschung hier ein ganz besonderes Interesse; sie zeigt nicht gleichmäfsige, zusammenhängende Fortentwicklung, sondern ein wiederholtes, scharfes Abbrechen der schon geknüpften Verbindungen mit der Kulturwelt des Mittelmeeres und dem Abendlande.
Solch eine scharf begrenzte Eorschungsperiode ist die zielbewufst von den Portugiesen und ihren Glaubensboten eröffnete und mehr als ein Jahrhundert (1513—1633) lang fortgesponnene. Die Berichte dieser portugiesischen Kulturpioniere brachten die ersten inhaltreicheren Nachrichten über das Land; sie fesseln unsere Beachtung, weil die Richtung des Forscherblickes und die Grenzen seines Erfolges lehrreich sind für den Standpunkt der Erdkunde in jener Zeit, aber auch bezeichnend für die Seiten der Landesnatur, die den Beobachtungseifer fremder Besucher in erster Reihe beschäftigt haben. Darauf näher einzugehen, ist lockend für eine Zeit, die vollkommener als das Zeitalter Karl Ritters die lange verschütteten Quellen