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Die Portugiesen in Abessinien : ein Beitrag zur Entdeckungsgeschichte von Afrika / vorgelegt von Kurt Krause
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Erster Hauptteil

(522)

Nebenflüssen des Hawash; auch ihre Lage zum Tsanasee ist annähernd richtig angegeben. Von den beiden Flüssen steht einer an der nördlichen Grenze Fatagars in sonderbarer Ver­bindung mit dem Abai und erhält überdies von rechts noch einen kleinen Nebenflufs aus einem See Lalabeda. Mit diesem See ist vielleicht der heute bei dem den ähnlichen Namen tragenden Kloster Lalibela liegende See gemeint, der die Quelle des Takazze ist. Sollten Erinnerungen an die klassische Geo­graphie, die dem Takazze, dem Astaboras bei Ptolemäus, einen Quellsee gab, den Fra Mauro zu dem verworrenen hydro­graphischen Bilde verleitet haben?

Die Landschaft Amasen ist von Fra Mauro richtig in das Quellgebiet des Mareb verlegt, auch das südlich davon ver­zeichnete gebirgige Tigre entspricht ungefähr seiner heutigen Lage; falsch ist dagegen die Ansetzung des als Stadt, nicht als Landschaft aufgefaßten Bagamider im Norden des Tsana- sees. Die an der Ostküste Afrikas auf Mauros Karte gele­genen Reiche Adel und Dauara gewinnen nicht die rechte Beziehung zum Hawash und zum Roten Meere. Von Städten, die Fra Mauro kennt, sind die meisten heute nicht mehr zu identifizieren; Hacsum (sicher Axum) ist richtig in das nörd­liche Tigre verlegt; an der Küste liegt bei Fra Mauro der Hafen Zilla, wohl Zeila, dessen Lage zum Roten Meere aller­dings ganz falsch ist.

Trotz aller hervorgehobenen Schwächen bezeichnet die Karte des Fra Mauro im Vergleich zu ihren nächsten Vor­gängern einen wesentlichen Fortschritt. Er fällt um so mehr in die Augen, je ärmer manche späteren Kartenbilder an der Schwelle der Neuzeit sich ausnehmen; namentlich seit der Ent­deckung Amerikas schenkte man der Topographie Abessiniens auf den Weltkarten von Juan de la Cosa (1500) und Seb. Cabot (1544) begreiflicherweise geringe Bedeutung.

n.

Die Portugiesen als Entdecker und die Veranlassung zu ihren Fahrten nach Abessinien.

Im Mittelalter, in dem durch die Kreuzzüge der Drang der Entdeckungen und Unternehmungen nach Osten gerichtet