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Zweiter Hauptteil
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durch die Schilderung des traurigen Rückzuges der Missionare von Amhara nach Tigre im Jahre 1633. Mehrmals belästigt und angegriffen von räuberischen Horden, die in diesen schluchtenreichen Gebirgsgegenden sicheres Dasein gefunden hatten, wurde der ohnehin schon schwierige Übergang erst nach fünf Tagen glücklich beendet. Die Erwähnung der Amba Ras 1 ), die auch Felix Rosen' 2 ) bei seinem Übergang über den Lamalmon sichtete, spricht auch hier wieder für die gute topographische Orientierung, die wir bei Almeida allenthalben finden. Wenn Paez a ) der höchsten Erhebung dieser Gebiete den Namen Oati gibt, so hat er damit bis heute recht behalten; denn der Buahit (4520 m) ist neben dem Ras Deschan zu den höchsten Erhebungen Semiens und Abessiniens überhaupt zu zählen.
Überblicken wir noch einmal alles, was wir aus den Berichten der portugiesischen Reisenden über die Oberflächen- gestaltung Abessiniens erfahren, so wird es klar, dafs wir hier zum ersten Male ein ausdrucksvolles Bild von den Erhebungsverhältnissen des Berglandes Aethiopien erhalten, die bis dahin nur in sehr verworrener Vorstellung auf den Karten uns entgegentraten. Dafs wir auf den Karten der Portugiesen diese Beobachtungen noch nicht verwertet finden, erklärt sich aus dem niederen Stande der Geländedarstellung in jener Zeit.
3. Klima.
Gemäfs der Lage Abessiniens und dem Ansteigen der Landoberfläche von der furchtbar heifsen Küste des Roten Meeres bis zu den Grenzen des ewigen Schnees gaben schon die frühen Berichte der Portugiesen dem Lande Anteil an allen Klimazonen der Erde. Dieselben drei Höhenstufen 4 ), die wir heute als Quolla, Woinadega und Dega bezeichnen, finden wir bei Almeida s ) erwähnt. Er kennt sie unter den Namen Colla, Oynadega und Dega. Neben diesen uns heute
J ) Alm., Ser. VII, 255.
2 ) Felix Rosen, Eine deutsche Gesandtschaft, p. 441.
3 ) Scr. II, 3/4.
*) Dove, Kulturzonen in Nordabessinien, P. M. E. 97, 1890. 6 ) Almeida, Scr. V, 17/18.