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Zweiter Hauptteil
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eilenden Wässer von denen scheiden, die zum Blauen und Weißen Nil in westlicher und nordwestlicher Richtung ihren Lauf nehmen. Mit auffallender Richtigkeit hatten die Portugiesen auch die das sogenannte Gingoro- oder Zenyeroreich umschließende, nach Süden geöffnete Windung des Flusses erkannt, der in diesem Teile seines Laufes der Nilstrecke ähnelt, die Gojam zu einer Halbinsel macht. Mit der Entfernung des Flusses von den südlichen Grenzen Abessiniens schwand auch die genaue Kenntnis von dem weiteren Verlaufe. Man glaubte, in einem der bei Mombasa an Afrikas Ostküste mündenden Flüsse den Zebee wiedererkennen zu können. 1 ) Tatsächlich wendet der Zebee der Portugiesen oder Ghivie, wie der Oberlauf heute auf italienischen Karten-) heilst, unter 7° N. seinen Lauf nach Südwesten und fliefst als Omo dem abflufslosen Rudolfsee zu.
b) Seen.
a) Der Tsana-See.
Das Meer von Dambea spielte in der Zeit der Anwesenheit portugiesischer Missionare in Abessinien eine grofse Rolle; sie hatten die Bedeutung dieses Sees in der Landschaft Dambea als Mittelpunkt des ganzen Landes erkannt. Die rings um den See von den Portugiesen angelegten Klöster sind beredte Zeugen dieser Zeit.
Paez 3 ) umwanderte den See dreimal und beschrieb ihn am ausführlichsten. Die Ausdehnung, die er dem See gibt, entspricht allerdings nicht den tatsächlichen Verhältnissen, sie rechtfertigt aber den Namen „Meer von Dambea" um so eher. Bei Paez hat der See eine Länge von 25 Legoas == 154,93 km und eine Breite von 16 Legoas = 99,15 km; das entspräche einer Fläche von 14 361,28 qkm (= nicht ganz Königreich Sachsen 14 992 qkm); auch Almeida 4 ) greift noch viel zu hoch mit seinen Angaben von durchschnittlich 30 Legoas Länge == 186 km und 10 Legoas Breite = 62 km. Die grofse
1 ) Paez, Scr. II, 274.
2 ) B. S. G. It. 1897. Karte.
3 ) Paez, Scr. II, 278.
4 ) Almeida. Scr. V, 27 schwankt für die Länge zwischen 35 und 20 Legoas, für die Breite zwischen 12 und 8 Legoas.