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Die Portugiesen in Abessinien : ein Beitrag zur Entdeckungsgeschichte von Afrika / vorgelegt von Kurt Krause
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Krause: Die Portugiesen in Abessinien

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2. Relief.

Die Gegensätze im Landschaftsbilde Abessiniens, der Plateaucharakter des Landes, die ungeheure Erhebung zu alpinen Höhen, daneben die reiche Zerklüftung konnten bei einer Schilderung des Landes durch die Portugiesen nicht un­berücksichtigt bleiben. Alfonso Mendez 1 ) versucht eine knappe, aber bemerkenswerte Darstellung der schwierigen Reliefverhältnisse Abessiniens.

Mittel- oder Hochäthiopien [heifst das Land], weil es zwischen dem oberen vom östlichen Meere und dem unteren vom Mittelländischen Meere begrenzten Aethiopien eingeschlossen ist, ein steiler Anstieg von allen Seiten über verschiedene Bergstufen gleichsam bis zur höchsten Burg, Dambea, der Wiege des Nils, emporführt, und weil von dort das von der Abdachung bedingte Abfliefsen nach den drei genannten Meeren, nach dem Ozean, dem Erytkräischen Meere und dem Mittelländischen Meere sich vollzieht. Man mag in das Land eindringen, von welcher Seite man will, überall treten mit steilem und nahezu unwegsamem Hange Berge, Bastionen gleich, entgegen; ihr Scheitel dehnt sich wie eine Altane (So­larium) zu einer gleichförmigen Ebene aus, bald 20, bald 40, bald 60, bald mehr, bald weniger Meilen lang, und bald 3, 6, 10 Meilen breit, meist mit steilen Wänden und so jähem Hang, dafs die dort entstehenden Flüsse Katarakte bilden, die zwar wasserärmer, doch der Fallhöhe nach denen des Nils ähnlich sind. Von vorn klimmt man bald auf zusammenhängendem Bergrücken, bald auf unsanfterem Wege stufenweise von der einen zur anderen Höhentafel bis zum höchsten Scheitel empor. Da aber die Berge von der fernsten Ebene Aegyptens bis zur Quelle des Nils über 600 Meilen derartig gruppenweise (cas- stellatim) sich erheben 2 ), tritt in Nnbien und Aethiopien eine ungeheure Menge von Wasserfällen in Erscheinung, die mit furchtbarem Sturze niederhängen und beständig schäumend mit betäubendem Getöse ihren Wasserstaub versprühen."

i) Mendez, Scr. VIII, 23/24.

"} Aus den Angaben ersieht man, dafs die Portugiesen, noch unbekannt mit der direkten Messung der Höhen von Massenerhebungen, diese durch die Länge der Anstiegsfläche ausdrücken. Ahnliches auch bei Plinius über die Höhe der Alpen.

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