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Die Kolonialdeutschen aus Kamerun und Togo in französischer Gefangenschaft / Reichs-Kolonialamt
Entstehung
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Auch die selbstlosen Bemühungen der deutschen Ärzte vermochten den in ihrem Gesundheitszustand heruntergekommenen Gefangenen keine wesentliche Besserung ihres Loses zu bringen.

Anfangs Juli 1915 wurde unter dem Druck von Zwangsmaßnahmen der Deutschen Regierung das Lager in Abomey aufgelöst. Alle Gefangenen litten an allgemeiner Körperschwäche, hochgradiger Blutarmut und schweren nervösen Störungen. 70, fast ein Drittel, waren so krank, daß sie die 9 Irin lange Strecke nach der Station Bohikou nicht zu marschieren vermochten. Von Bohikou wurden die Gefangenen mit der Bahn nach Cotonou befördert, wo die Schwerkranken im Krankenhaus, die übrigen in Zollschuppen untergebracht wurden. Auch die übrigen in Dahomep internierten Deutschen wurden zürn Abtransport in Cotonou vereinigt und dort in gleich demüti­gender Weise behandelt wie beim ersten Betreten des Bodens in Dahomep^.

In Nordafrika.

a. Während des Transports auf den französischen Frachtdampfern

^8ie" undübet".

Alle Kolonialdeutschen in Dahomep, auch die Frauen, wurden mit Ausnahme von 100, die wegen Platzmangels zurückbleiben mußten, am 5. Juli 1915 auf dem Fracht­dampfer v^8i6« nach Nordafrika eingeschifft. Auf dieser lltägigen Fahrt setzten sich ihre Leiden fort, da die Gefangenen trotz ihrer geschwächten Gesundheit in dem heißen Schiffsladeraum untergebracht waren. Sie lagen eng nebeneinander, zum Teil auf dem bloßen Schiffsboden, und wurden nicht an die frische Luft gelassen. Besonders schlecht war für die Kranken gesorgt. Arzneien waren nicht zu erhalten. Die Verpflegung war unzu­länglich und, in Scheuereimern gereicht, ekelerregend^).

Am 8. August 1915 fuhren die zurückgebliebenen 100 Gefangenen auf dem alten, schlecht erhaltenen Frachtdampfer »übet» aus Dahomep ab. 70 bis 75 von ihnen waren schwer malariakrank j trotzdem hatte ihnen der leitende Arzt des Krankenhauses in Cotonou, Oberstabsarzt IU-. die unbedingt notwendige Menge Chinin verweigert. Dieser

Arzt hatte sogar die Stirn, dem Transportführer, Kapitän Lonnet, zu melden, es seien keine Kranken unter den Gefangenen. Der für die Unterkunft bestimmte Lade­raum auf dem »übet« bot kaum für 60 Mann Platz, trotzdem mußten sämtliche 100 Gefangene sich dort aufhalten. Boden und Wände des Raums waren stets naß. Da auch die Luftzufuhr fehlte, war die Unterbringung eine menschenunwürdige und für Rekonvaleszenten, die schwere Krankheiten überstanden hatten, eine höchst ungesunde. Aus diesem Laderaum wurden neue Schwerkranke erst nach ernsthaftem Widerstand des Trans- Portführers in einen besonderen Krankenraum verbracht. Die Malariakranken dagegen mußten dort, auf dem Schiffsboden liegend, ihre Fieberanfälle durchmachen. Besondere Krankenkost wurde trotz der Vorstellungen der deutschen Ärzte nicht verabfolgt. Die Verpflegung war in keiner Weise ausreichend, die Behandlung hart und erniedrigend. Die Hoffnungen der Gefangenen auf Besserung ihres Loses erfüllten sich während der Überfahrt auf den Dampfern ^ 81 ^ und »DiUet.» nichts.

0 Angabe 1, 4, ö, 811, 1326, 29, 31.

2) Angabe 2-4, 10, 12, 14, 16, 18, 20, 28, 29. 9 Angabe 3, 8, 11, 19, 31.