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Die Kolonialdeutschen aus Kamerun und Togo in französischer Gefangenschaft / Reichs-Kolonialamt
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dieser Halt den Instand der Gefangenen nicht, es traten sogar nene Erkrankungen an Malaria und Dysenterie ein. Die deutschen Ärzte erhoben nochmals gegen den Weiter- marsch Protest. Der Transportführer, Kapitän 6o8eIt, erklärte indessen,»»die Ge­fangenen ständen außerhalb des Völkerrechts«, er befahl am 26. Oktober 1914 den Weitermarsch nach Gaya am Niger. Diesen mußten 60 Gefangene, die noch am ehesten der in Gaya stark herrschenden Dysenterie gewachsen erschienen, fortsetzen. Außerdem wurden sämtliche Offiziere, selbst soweit sie an Dysenterie litten oder gelitten hatten, dorthin verschickt.

Der deutsche Arzt, der die Gefangenen begleitete, gibt an: »Wenn man bedenkt, daß der Europäer den Gefahren des Tropenklimas nur unter Anwendung besonderer Schutzmaßnahmen zu begegnen vermag, so bedeutet dieser Marsch der an Kleidung und Schuhzeug auf das mangelhafteste ausgerüsteten Gefangenen unter den geschilderten Ver­hältnissen einen Gewaltmarsch, der auf Leben und Tod ging«I.

3. In Gaya am Niger.

Gaya am Niger im französischen Sudan, 800 ton von der Küste entfernt, liegt in einer vollkommen unkultivierten Gegend, es ist eine kleine Station mit drei Europäern und einem Dorfe von 500 Eingeborenen. Der Platz ist durch seine Malaria- und Dysenteriegefahr berüchtigt. Der Aufenthalt im Freien ist abends infolge der vielen Moskitos lebensgefährlich. Trotzdem ließ die französische Verwaltung den Deutschen erst in der letzten Zeit ihres Aufenthalts Moskitonetze aushändigen. Um das Ge­fangenenlager war ein Dornenkral gezogen, innerhalb dessen auf enger Fläche 20 Stroh- bütten errichtet waren. Sie schützten aber weder vor der Glut der Trockenzeit, noch vor den Gewittern der Regenzeit. In der Trockenzeit herrschte im Innern der Hütten eine Temperatur von 40 o bis 46I die auch nachts kann: abnahm. Eine Ausstattung besaßen die Hütten nicht, weder Bett, noch Tisch, noch Stuhl, noch Waschschüssel. Es war nichts als der nackte Erdboden vorhanden, auf den sich die Gefangenen mit ihrer Strohmatte schlafen legen mußten. Die Folge war, daß sie unter Skorpionen, Schlangen, Hundertfüßlern und Ameisen zu leiden hatten. Erst später gelang es ihnen, sich vor diesem Ungeziefer dadurch zu schützen, daß sie sich aus selbst herbeigeholtem Holz rohe Lager zimmerten. Da sie in die Gefangenschaft nur das Dürftigste an Wäsche und Kleidung hatten mitnehmen können und Ersatz in Gaya nicht zu haben war, liefen sie zum Teil halbnackt herum. Ihre Stiefel zerrissen in kurzer Zeit/ viele gingen barfuß. Die Offiziere wurden wie die Mannschaften gehalten j sie mußten Hütten und Geschirr selbst in Ordnung bringen, auch selbst kochen und waschen. Die Verpflegung war mangelhaft, einförmig und ungenügend. Zutaten zu kaufen war verboten, obwohl Eier, Butter, Honig, Pfeffer, Milch und vieles andere reichlich und billig zu haben waren. Der Administrator lehnte ein Gesuch um Verbesserung der Verpflegung damit ab, die Französische Regierung habe befohlen, die Gefangenen »ohne Milde« zu behandeln. Erst Mitte Dezember 1914 erhielten die Gefangenen die ihnen bestimmungsgemäß zu- kommenden Verpflegungsrationen. Außer einem einzigen Male wurden jedoch stets nur halbe Nationen ausgegeben. Kaffee, Tee und selbst Brot fehlten bis Mitte Dezember vollständig. Von diesem Zeitpunkte ab durften die Gefangenen selbst kochen. Als Trinkwasser diente das schmutzige Wasser des Niger, das aus Stellen unterhalb der Badeplätze der Eingeborenen entnommen werden mußte.

Infolge der hygienischen Mißstände und der monatelang völlig unzulänglichen Er- nährung kamen die schon durch den Marsch nach Gaya geschwächten Gefangenen weiter herunter. Die Zahl der Kranken war sehr hoch, sie betrug unter 80 Gefangenen

y Angabe 1, 312.