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Die Kolonialdeutschen aus Kamerun und Togo in französischer Gefangenschaft / Reichs-Kolonialamt
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täglich 5550. Im ganzen erkrankten ari Dysenterie 70 "/o der Gefangenen, an

Malaria war jeder von ihnen ein oder mehrere Male krank, 8 Fälle von Schwarz« Wasserfieber kamen vor. Ferner waren Magen« und Darmerkrankungen außerordentlich häufig. Es mangelte an den nötigen Arzneien, vor allem an Chinin und Dysenterie« bekämpfungsmitteln. Instrumente fehlten monatelang vollständig, so daß Abszesse mit einem Taschenmesser geöffnet werden mußten.

Unter solchen Verhältnissen konnten auch die aufopfernden Bemühungen der deutschen Ärzte den Gesundheitszustand nicht heben. Als durch ihre wiederholten Beschwerden nach längerer Zeit eine gewisse Besserung des Loses der Gefangenen eintrat, waren ihre Körperkräfte schon zu sehr geschwächt, um an dem ungesunden Platze eine Gesundung zu gestatten').

4. In Kandi.

Ähnliche Zustände herrschten im Lager von Kandi. Auch dort hatte die fran­zösische Verwaltung nicht dafür gesorgt, daß die von dem Gewaltmarsch Savc-Kandi erschöpften und kranken Deutschen die für ihre Erholung erforderlichen Bedingungen vorfanden. Die Folge war, daß zwei Gefangene in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft am Sckwarzwaffersteber starben. Die späteren Maßnahmen der Verwaltung waren in gleicher Weise ungenügend. Eine nur 2^ <M große Eingeborenen-Lehmhüttc diente regelmäßig drei bis vier Gefangenen als Wohnung/ sie bot gegen die starke Aus­strahlung der Sonne keinen ausreichenden Schutz. Selbst nachts herrschte in diesen Hütten eine unerträgliche Hitze. Tische und Stühle waren nicht vorhanden. Die Ge­fangenen hatten als Unterlage nur eine dünne Matte, Moskitonetze fehlten vollständig. Ameisen und anderes Ungeziefer waren eine ständige Plage. Das Trinkwafser war mit Krankheitskeimen verseucht, so daß es nur abgekocht genossen werden konnte/ gekocht reichte es aber häufig nicht zum Stillen des quälenden Durstes. Eine Zeitlang herrschte sogar direkter Wassermangel. Erst nach Monaten trafen Kohlenfilter zur Bereitung von Trinkwasscr ein. Das Essen war wegen der schlechten und unsauberen Zubereitung, besonders als Krankennahrung, nicht bekömmlich. Die bestimmungsgemäß zustehenden Mengen wurden nie voll geliefert, das Fleisch war oft verdorben. Den Gefangenen

gelang es später, ihre Nahrung durch Zutaten, die sie sich von den Wachsoldaten be­schafften, etwas zu verbessern.

Im Gegensatz zu Gaya herrschte in Kandi Arbeitszwang. Die Gefangenen

wurden sogar zu schweren Arbeiten, wie Holzfällen, Erdarbeiten und Straßenbau ge­zwungen. Die energischen Proteste der beiden deutschen Ärzte blieben erfolglos, trugen diesen sogar Arreststrafen ein. Die Gefangenen wurden bei dem geringsten, selbst unver­

schuldeten Versehen in Arrest geworfen. Nicht einmal fiebernde Kranke wurden damit verschont. In dein ursprünglich für Farbige bestimmten Arrestlokal herrschte, besonders nachts, eine erstickende Hitze, dazu war die Luft verpestet, weil der Boden des Arrest­lokals, aus dem die Schlafmatten ausgebreitet werden mußten, mit Fäkalien durchtränkt war. Wie in Gaya fehlte es an Chinin, Dysenteriebekämpfungsmitteln und anderen Arzneien. Selbst soweit sie im Farbigenlazarett vorhanden waren, wurden sie nur in Ausnahmefällen ausgegeben. So mußte ein an Schwarzwaffer schwer ertränkter Deutscher elend zugrunde gehen, weil dem deutschen Arzte das gewünschte Herzftärkungsmittel an­fänglich verweigert und erst ausgehändigt wurde, als es zu spät war. Anstatt die kranken Gefangenen in das gut eingerichtete Farbigenlazarett aufzunehmen, ließ man sie

y Angabe 47, 12.