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Die Kolonialdeutschen aus Kamerun und Togo in französischer Gefangenschaft / Reichs-Kolonialamt
Entstehung
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in ihren Hütten liegen. Die genügend vorhandenen Instrumente wurden den deutschen Ärzten nur zur Behandlung von Eingeborenen znr Verfügung gestellt.

Infolge dieser mangelhaften Zustände war die Zahl der Erkrankungen unter den Gefangenen auch in Kandi eine sehr hohe. Sie betrug in der Zeit vom 17. Oktober 1914 bis zum 10. Mai 1915 unter 64 Gefangenen:

air Malaria. 89cho

an Schwarzwasser. 12"/',,

an Dysenterie. 60 och

an schweren Darmkatarrhen . 45 B,,.

Im Laufe der Monate März, April und Mai 1915 wurden die Gefangenenlager Gaya und Kandi allmählich aufgelöst. Die Kranken wurden, soweit es die französische Verwaltung für erforderlich hielt, mittels Kraftwagen und Eisenbahn nach der Küste und zum Teil von dort nach Frankreich, die Mehrzahl der Gefangenen aber nach dem Lager von Abomey überführt^.

5. In Abomey.

Die schweren Leiden der Togo deutschen auf dem Gewaltmarsch Save-Kandi- Gaya und in den Lagern von Kandi und Gaya wurden noch übertreffen durch das, was die Kamerun deutschen feit Anfang Oktober 1914 unter deu grauenhaften Zu­ständen und durch die unmenschlichen Quälereien und Martern seitens ihrer schwarzen und weißen Aufseher in Abomey zu erdulden hatten.

Am 29. September 1914 waren nämlich etwa 240 Männer der deutschen Be­völkerung von Duala, die sich zugleich mit der Besatzung mehrerer Woermanndampser den unter englischem Oberbefehl stehenden englisch-französischen Truppen hatten ergeben müssen, auf dem englischen Dampfer »IDminn« in französische Gefangenschaft nach Cotonou in Dahomey abgeführt. Die Mehrzahl von ihnen hatte am Kampfe nicht teilgenommen. In Cotonou erfuhren sie hinsichtlich Unterbringung, Verpflegung und Behandlung das gleiche Schicksal wie die Togodeutschen 12 Tage vorher. Nach drei­tägigem Aufenthalt wurden sie sodann mit der Bahn nach der Station Bohikou und von dort in brennender Mittagssonne zu Fuß nach Abomey abgeführt. Dabei wurden sie zu solcher Eile angetrieben, daß mehrere zusammenbrachen.

Abomey liegt in einen: regenreichen, heißen und ungesunden Flachlande, das stark von Malaria und Dysenterie sowie in der Regenzeit fast alljährlich von Gelbfieber heim­gesucht wird. Als Gefangenenlager diente das Hauptgehöft des ehemaligen Dahomey- Häuptlings Lelmn-iu, das sich in völlig verwahrlostem Zustande befand. Das Gehöft und die nächste Umgebung waren von hohem, schilfartigem Gras überwuchert, die Hütten bis auf ruinenhafte Mauerreste verfallen.

Der Lagerkommandant war der Eingelwrenenkommissar von Dahomey, Major Lei-uuck, der sich wenig um den Betrieb des Lagers kümmerte. Zu seiuer Unterstütznug erhielt er­den Adjudantench Veuör-e, den Sergeanten (lustelli, deu Gefreiten (lirnrxelli und ein­geborene Soldaten. In der ersten Zeit war das Lager auch noch dem Administrator von Abomey unterstellt. Dieser drohte den Gefangenen für jedes Vergehen strenge Strafen an und legte den Soldaten scharfe Bewachung und ausgiebigen Gebrauch der Waffe aus Herz. Als Lagerarzt war der französische Stabsarzt Du. BonZ-Imre tätig. Einrichtung und Betrieb des Lagers wurden Anfang Dezember 1914 von dem stell­vertretenden Gouverneur von Dahomey, Generalsekretär Bassins, besichtigt und gutgeheißen.

y Angabe 4, 912.

2) Der Adjndant in der französischen Armee ist Unteroffizier und nimmt etwa die Stellung des deutschen Feldwebels ein.