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Von Porto Nvvo wurden die Gefangenen mit ihren Frauen unter Bedeckung von schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr in Lastkähnen weggeführt, in denen sich die Männer auf den Boden legen mußten. In Cotonou wurden sie, mit ihrem Gepäck in der Hand, von den schwarzen Soldaten zum Laufschritt gezwungen. Die Frauen wurden nachts ins Krankenhaus, die Männer in ein enges Arrestlokal eingesperrt. Bon Save wurden die Gefangenen auf einem mit Gepäck voll beladenen Lastautomobil in beschwerlicher Fahrt nach Parakou befördert.
Bei der Ankunft in Parakou bezogen je 2 Ehepaare ein Lehmhaus mit 3 Räumen, deren Einrichtung nur Schlafmatten, eine Eingcborenenlampe, die mit Schibutteröl gespeist wurde, und einen Tonbehälter mit Wasser umfaßte. Das Essen bestand aus Fleisch, das in einer Petroleumdose mit Iams zusammengekocht war. Mit der Zeit konnten sich die Ehepaare etwas besser einrichten, sie kochten sich die Lebensrnittel selbst, erhielten aber erst nach geraumer Zeit Haushaltungsgegenstände geliefert. Im Januar 1915 wechselte der Administrator. Die Lebensrnittel wurden daraufhin schlecht, zürn Teil völlig ungenießbar. Beschwerden waren erfolglos. Einmal wies der Sekretär der Administration, Unteroffizier 8untoni8, die Schwarzen an, »sie sollten von dein ungenießbaren Fleisch, dessen Berkauf behördlicherseits verboten war, 16 für die Uodres abwiegelt«. Das französische Aufsichtspersonal handelte ganz nach Willkür*).
2. Auf dem Marsch nach Kandi-Gaya.
Der größere Teil der Togodeutschen, der, etwa 150 Mann stark, nach dem 520 lern vorn Bahnendpunkt Save entfernten Gaya am Niger marschieren sollte, wurde in Cotonou von dem französischen Arzt Dr. auf Marschfähigkeit untersucht. Hierbei wurde mit der größten Willkür verfahren,- auf offensichtlich kranke und schwache Personen wurde keinerlei Rücksicht genommen. Am 21. September 1914 kamen die Gefangenen nach einer 260 lern langen Bahnfahrt in Save an. Obwohl der Zug nur die Togodeutschen und das französische Aufsichtspersonat beförderte, wurde an allen Stationen gehalten, um die Gefangenen den Hunderten mit Schußwaffen ausgerüsteten Eingeborenen zu zeigen, die dorthin, zum Teil aus entfernten Gegenden der Kolonie, zur Besichtigung der Deutschen zusammengeströmt waren. In Save wurden die Gefangenen in offenen, in Eile hergestellten Schuppen und Grashütten untergebracht. An Gepäck hatten sie nur das Allernotwendigste mitnehmen dürfen. Die meisten besaßen nur die Strohmatte lind die dünne Baumwolldecke, die sie bei der Ankunft in Cotonou ausgehändigt erhielten, an Kleidungsstücken nur das, was sie bei der Gefangennahme auf dem Leibe trugen. Auf energische Vorstellung der deutschen Ärzte wurden einzelne Gefangene nochmals auf Marschfähigkeit untersucht. Ferner wurde das Generalgouvernement in Dakar wiederholt voll den Transportführern telegraphisch gebeten, auf den befohlenen Marsch ins Innere zu verzichten. Allein die Weisung des Generalgouverneurs lautete: »Der Marsch nach dem Innern sei unter allen Umständen durchzuführen, koste es, was es wolle.«
Am 22. und 23. September 1914 wurde in zwei Abteilungen abmarschiert. Täglich mußten Strecken von 20 bis 35 Irrn in einer Hitze von 30 o bis 50I die in der Sonne auf 80 o stieg, zurückgelegt werden. Trotzdem die Märsche nachts um 2 Uhr begannen, war die Tageshitze nicht zu vermeiden, da die Sonne schon um 8 Uhr morgens stark brannte und die Kranken sich nur langsam vorwärts schleppen konnten. Die meisten der Gefangenen waren in keiner Weise auf lange Märsche in den Tropen körperlich vorbereitet, zumal sie durch den vorangegangenen Tropenaufenthalt an Widerstandskraft eingebüßt hatten. Ebensowenig waren sie für die Märsche ausgerüstet. Bei vielen
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i) Angabe 3.
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