Die Reise nach Tsingtau
Jedes Jahr machen fast 2000 Deutsche die Reise nach Tsingtau: nämlich die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Garnison Tsingtau und des Kreuzergeschwaders, die ihre Kameraden draußen ablösen. Da das Kommando zweijährig ist, so wird jedes Jahr die Hälfte abgelöst. Der Seebataillonstransport geht meist im Januar in Wilhelmshaven mit 1000 Mann ab. Die Ablösung für das Kreuzergeschwader mit 1000 Mann an Bord tritt mit dem besonders für diese Transporte gebauten Dampfer „Borussia" der H.-A.-Linie oder mit einem Dampfer des Lloyd, die Ausreise in Hamburg oder Bremerhaven meist in den ersten Tagen des Mai an. Auf dieser Reise wird nur Port Said, Suez, Colombo, Singapor und Hongkong angelaufen. Verläuft alles ohne unvorhergesehenen Aufenthalt, so liegt der Dampfer nach 42 oder 43 Tagen an der Mole in Tsingtau.
In einem Tage geht's durch die graugrüne Nordsee, die oft so glatt ist wie ein Schloßteich, und oft wieder so schlimm und wild — die Nordsee, die Mordsee. Dann durch den Kanal, wie durch eine belebte Straße. An der Strandungsstelle des „Großen Kurfürst" (1878) bei Folkestone geht es vorüber,, unfern der Stelle, von der Fontanes Gedicht erzählt: „Das sind die Bänke von Goodwin Sand, —ein Kirchhof ist's, halb Meer, halb Land." Vorträge, die gehalten werden, sorgen dafür, daß die Leute auf alles Wissenswerte während der Reise aufmerksam gemacht werden. Es sind das manchmal Stunden eines Anschauungsunterrichtes, die allen, die sie mitmachen, dauernd im Gedächtnis bleiben. Ist's Nacht und sichtiges Wetter, so sehen wir fast in ununterbrochener Reihe die Hafenbeleuchtung der englischen Küstenstädte herübergrüßen. Jeden Augenblick taucht vor uns von neuem das grüne