Druckschrift 
Kiautschou : das deutsche Schutzgebiet in Ostasien / von Hans Weicker. Mit über 145 Ill. Federzeichnungen von Marie Gey-Heinze
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen
 

Handel, Industrie und Verkehr

nser asiatisches Schutzgebiet unterscheidet sich von den afrikanischen Schutzgebieten sehr wesentlich da­durch, daß seine Größe gar keine Rolle spielt. Im Gegenteil: seine Kleinheit ist sein Vorzug. Auch machen, wie schon S. 80 sagte, weder ober- noch unterirdische Bodenschätze den Besitz der paar hun­dert Geviertkilometer dort für uns wertvoll. Was Kiautschou für uns wertvoll macht, ist erstens, daß wir in ihm einen Flottenstützpunkt in Ostasien haben, und zweitens, daß wir dort an der Tür des Überseehandels und Überseeverkehrs der Provinz Schantung sitzen. Mit anderen Worten: Kiautschou ist kein selbständiges Wirtschaftsgebiet, sondern vorerst, bis es einmal ein Industrieplatz wird, nichts als ein Transitplatz.

Tsingtau als Handelsplatz davon braucht nicht mehr als von etwas, das möglich oder wahrscheinlich ist, gesprochen zu werden, dafür brauchen keine Gründe mehr zusammengesucht und keine Urteile von Kennern des Landes mehr gehört zu werden. Tsingtau ist ein Handelsplatz; das ist jetzt einfach eine Tatsache. Die Einfuhr allein hat im ersten Vierteljahr 1907 590000 J6 Zoll ergeben, also für die Kasse des Gouvernements 118000 Jb. Und da das genau noch einmal soviel ist, wie der mittlere Vierteljahrsertrag des Vorjahres, so sehen wir, daß der Handel gegenwärtig noch rüstig vorwärtsgeht. Der Ge­samthandel Tsingtaus betrug nach dem Seezollbericht im Jahre 1906