In China
m uns die lehmgelben Wassermassen des Jangtse. So nennen wir schon, kürzer als im Geographiebuch, Chinas größten Strom, wie alte „Ostasiaten", stolz, daß wir schon wissen, daß „kiang" weiter nichts als „Strom" heißt. Nur durchs Glas erkennen wir noch die niedrigen grauen Häuser von Wusung, der Hafenstadt der Jangtsemündung. Wusung wird nicht immer das kleine, schmutzige Nest bleiben, das es ist. Es wird seinen Anteil und seinen Zoll fordern von den Millionen von Dollars, die jetzt auf Chinas wichtigster Handelsstraße, dem Jangtse, an Wusungs Deichen und seinem Landungssteg vorüberschwimmen. Vorerst freilich wacht noch eifersüchtig über ihrer alten Vormachtstellung als Handelsmittelpunkt für die ganze mittlere und nördliche Küste Chinas: Schanghai. Nicht mal am Jangtse selbst liegt es, sondern an einem Nebenflusse, am Wampu. Aber da der Wampu, wie auch der Jangtse und alle anderen chinesischen Ströme, sich eine Barre in seiner Mündung gebaut hat, können die großen Ozeandampfer nicht bis Schanghai hinauffahren, sondern Passagiere und Waren müssen draußen bei Wusung auf kleine Dampfer umgeladen werden. Einige von uns hatten die paar Stunden, die wir auf Wusung-Reede lagen, benutzt, um mit der Eisenbahn in 40 Minuten von Wusung nach Schanghai zu fahren. Zu Schiff dauert die Fahrt 3 Stunden. Vom ,,bund" erzählten sie, der Straße auf dem Uferkai, und seinem bunten Leben, von chinesischen Teehäusern und sing-song-girls, vom stattlichen, neuen deutschen Klub, dem schönsten Bauwerk Schanghais. Wir hören nur mit halbem Ohre zu. Unsere Gedanken sind schon ganz mit dem Ziel unserer Reise beschäftigt, mit Kiäutschou, oder, wie wir es immer mehr nennen hören, mit Tsingtau.