Der Vorteil Tsingtaus für die Chinesen
an spricht viel von den Kulturaufgaben, die wir in China und, seit wir Kiautschou haben, im besonderen in Schantung zu erfüllen hätten. Dabei denken die meisten Menschen an Eisenbahnen und Telegraphen, an Maschinen und neue Lehrbücher über Geographie und Physik, an Kruppsche Geschütze und eine Volksvertretung. Ist das nicht ein Mißbrauch des Wortes Kultur? Alles das Genannte ist Zivilisation. Kultur im eigentlichen Sinne ist etwas ganz anderes. Kultur erfaßt den Menschen in der Tiefe, in seinem Kern, in seinem Wesen. Kultur hat es mit dem Menschen als Persönlichkeit zu tun. Zivilisation ist nur ein Kleid, das wir tragen. Der Mensch dahinter ist das, was Kultur aus ihm gemacht hat. Wer Zivilisation und Kultur gleichsetzt, gleicht einem Menschen, der im Ernste meint, daß Kleider Leute machen. Was H. St. Chamberlains vielgelesene „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" so wertvoll macht, ist eben dies, daß darin Zivilisation und Kultur jedes für sich gewürdigt wird, und daß sie immer als zwei ganz verschiedene Dinge scharf auseinandergehalten werden. So zeigt uns Chamberlain sehr klar, daß in der römischen Kaiserzeit die europäische Welt bei größter Steigerung der Zivilisation einen ebenso großen Niedergang der Kultur, bis zur nackten Bestialität erlebt hat. Und wie eine ernste Warnung an unsere so oberflächlich