Das Leben der Europäer in Tsingtau
s sei zunächst gleich der Irrtum berichtigt, daß es in Tsingtau „furchtbar heiß" sei. Seltsamerweise denken wir Deutschen uns ein fernes Land, wenn es sich nicht zufällig um „Sibirien" handelt, immer auch sehr viel heißer als unsere Heimat. Wir meinen, es müsse in einem fernen Lande durchaus alles anders sein als bei uns, also auch das Klima. Oder kommt diese Vorstellung von den Reisebeschreibungen und Robinsonaden unserer Jugend her, deren Schauplatz mit Vorliebe die Tropen sind? Das dritte Kapitel hat schon vom Klima in Tsingtau berichtet. Im großen und ganzen ist's dasselbe wie bei uns daheim. Daß der Winter nicht ganz so lange dauert und nicht ganz so kalt ist, wie bei uns, ist den meisten Menschen nicht unlieb. Daß in unseren Sommermonaten Juli und August dort „Regenzeit" ist, ist weniger angenehm. Doch ist auch diese Zeit gar nicht so schlimm, wie viele sie sich denken. Es regnet gar nicht jeden Tag. Fast jede Woche hat ihre zwei oder drei, oft nur durch einen kurzen Gewitterschauer gestörten, ebenso oft auch ganz regenfreien schönen Tage. Da in der dann sehr feuchten warmen Luft Leder- und Wollzeug leicht schimmelt, so wird dieses am besten gleich in Kisten mit Zinkeinsatz verlötet. Sonst muß man jeden schönen trockenen Tag benutzen, die Sachen in die Sonne zu legen, bzw. gründlich trocken zu reiben. Eine sehr nützliche Einrichtung im Hause während dieser Monate ist eine heizbare „Trockenkammer".