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Schäften haben, da ja auch der Umstand, dass die grossen Verkehrslinien hier enden, im Einklang damit steht. Jedoch muss wohl berücksichtigt werden, dass diese Seen, mit Ausnahme des Niassa, keine Zu- und Abflüsse haben, die als Verkehrsadern dienen könnten.
a) Klimatische und meteorologische Einflüsse auf den Verkehr.
Der Karawanen- und Handelsverkehr in Ostafrika ist auf bestimmte Zeit beschränkt, bedingt durch klimatische und meteorologische Einflüsse. Da die Zenitairegen in ganz Ostafrika meistens in Form von wolkenbruchartigen Gewitterregen fallen und ausserdem die Hauptregen auf wenige Monate zusammengedrängt sind, so ist es erklärlich, dass an ebenen Stellen zur Regenzeit alles unter Wasser steht, „an den tieferen Stellen bis zum Knie und Oberschenkel, an den seichteren bis zu den Knöcheln". Die grosse Regenzeit wird deshalb „Masika", d. i. die Überschwemmungszeit, genannt, die von Ende März bis Anfang Mai währt. Der Einfluss derselben ist evident. Die Wege versumpfen und Menschen und Tieren wird das Fortkommen auf dem aufgeweichten Boden zur Unmöglichkeit. Dazu kommt, dass die Regenzeit fieberschwanger ist, da sie dem Zenitstande der Sonne, also der heissesten Zeit folgt. Nun folgt eine kalte Periode, „Kipupue" genannt, d. i. Zeit des Zitterns 1 ). Die Temperatur sinkt in der Nacht auf 10 bis 12°, bisweilen auch auf 5 0 . Die Folge sind starke Tauniederschläge am Morgen. Da nun der Neger zwar Kälte, aber nicht Kälte von Nässe begleitet, verträgt, so ist es ihm unangenehm, durch das kalte nasse Gras zu gehen, und er wird ungern zu dieser Zeit reisen 2 ). Diese Periode währt bis Mitte Juni. Dann folgt eine heisse und trockene Zeit, in der jeder Niederschlag ausbleibt. Obwohl diese Trockenheit der Gesundheit nicht schädlich ist, so wirkt doch der Umstand nachteilig, dass in der Trockenheit in Ostafrika Wassermangel herrscht und dass Geräte aus Holz, z. B. Gewehrschäfte, aus-
1 ) Reichard, Deutsch-Ostafrika, S. 42.
2 ) Stuhlmann, Alit Emin Pascha ins Herz von Afrika, 1S94, S. 20.