Teil eines Werkes 
1 (1904) Deutsch-Ostafrika / von Hermann Otto Rosenhainer
Entstehung
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b) Seen.

Von grösserer Wichtigkeit als die dem Indischen Ozean zufliessenden Flüsse sind die an der Westgrenze des Schutz­gebietes gelegenen drei grossen Seen, die gewissermassen eine zweite Seeküste bilden. Leider fehlen ihnen Wasser­adern, welche sie mit der Küste verbinden könnten; aus­genommen ist nur der Niassasee, der durch die Schire-Sambesi- Route eine, wenn auch mangelhafte und nicht durch deutsches Gebiet führende Verbindung mit dem Ozean besitzt.

Der Niassasee, von dessen Ufern nur etwas mehr als das nördliche Drittel des Ostufers und die Nordspitze zu deutschem Gebiete gehört, das ganze Westufer nebst der Südspitze englisches Gebiet ist, während der Rest des Westufers nominell unter portugiesischer Herrschaft steht, gehört wegen seiner Ausdehnung, seiner grossen Tiefe und seines Flächeninhaltes von rund 27000 qkm zu den grössten Seen der Erde. Seine Länge von 550 km entspricht derjenigen von Hannover bis Basel.

Um die ganz eigenartigen Verhältnisse der unmittelbar am Niassaufer belegenen Gebiete würdigen zu können, ist es vor allem nötig, auf die geographischen Beziehungen näher einzugehen. Die einzigen praktisch in Betracht kommenden Verkehrswege, welche das deutsche Niassa-Ufer mit dem Hinterlande verbinden, sind folgende: die bei Wiedhafen aus­mündende Strasse über Ungoni nach Kilwa und der ziemlich beschwerliche Weg durch Untali nach Unyika, welcher zu den Gummidistrikten des Tanganika führt, und der in letzter Zeit immer stärker benutzt wird, soweit es die Karawanen nicht vorziehen, die durch englisches Gebiet gelegte, von Karonga ausgehende bequemere Stevenson-Road zu benutzen. Der einzige Landweg zur Küste sowohl für das Niassaland, wie für die südlichen Tanganikaländer führt zur Zeit über Wiedhafen 1 ). Auf diesen findet ein erheblicher Karawanen­verkehr mit Gummi und Wachs von Wiedhafen nach Kilwa statt. Weit bequemer als dieser ist freilich der von Kaufleuten

] ) Verbandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1900, Fülleborn, Über die Reisen im Niassagebiet, S. 380.