INI ach vollendeter politischer Aufteilung der weiten Länder Afrikas in Interessensphären der europäischen Mächte hat überall in diesen Gebieten, die bis vor wenigen Jahrzehnten fast gänzlich unbekannt waren, nach erfolgter Durchforschung eine wirtschaftliche Erschliessung und Nutzbarmachung begonnen. Wie die meisten Völkerschaften, sei es durch eigne Kraft oder fremde Einwirkung, im Laufe der Zeit eine höhere Kulturstufe erreicht haben, so sind auch die afrikanischen Völker dadurch, dass sie unter den Schutz kulturlich höherstehender Mächte gestellt und neue Einrichtungen auf sie übertragen wurden, in eine neue Phase der Kulturentwickelung eingetreten. Ein Teil dieser Entwickelung, welche derjenigen der Volkswirtschaft mehr oder weniger, teils davon abhängig, teils darauf zurückwirkend, parallel geht, ist diejenige des Verkehrswesens. Es ist klar, dass die grossen Erfindungen der Technik, die dem vergangenen Jahrhundert die Signatur aufgedrückt haben, nicht ohne Einwirkung auf die Verkehrsentwickelung von Kolonialländern bleiben konnten, in welche die europäische Kultur verpflanzt wurde. Aber ebenso wie in der Natur viele Keime ausgestreut werden, die nicht aufgehen, weil sie Klima und Boden nicht vertragen können, so bürgern sich auch übertragene Kultureinrichtungen nicht in jedem Lande ein. Die geographischen Bedingungen, d. h. die Verteilung von Land und Meer, die Richtung der Gebirge und Flüsse, das Vorhandensein von Wüsten, Steppen und Urwäldern, sowie klimatische und meteorologische Einflüsse wirken auf die Verbreitung bestimmter Verkehrsformen ein. Und so verschieden sich auch die
Teil eines Werkes
1 (1904) Deutsch-Ostafrika / von Hermann Otto Rosenhainer
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