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Kolonie und Flotte / verf. von Schlieper
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VI. ZloltenstiWuntte.

7^ ie Betrachtungen im vorhergehenden Kapitel führen nun zu dem ^ ungemein wichtigen Thema, das in diesem Abschnitte unter dem

TitelFlottenstützpunkte" behandelt werden soll. Solche Flottenstützpunkte haben wir in gewissem Sinne zu Beginn des Weltkrieges gehabt; sie waren aber nicht zu halten, weil eben an der einen Stelle gewisse Vorbedingungen fehlten, und an anderer Stelle ein Erfolg von Dauer wegen der Geringfügigkeit der zu Gebote stehen­den Mittel nicht zu erwarten war.

s. Im allgemeinen.

Fassen wir zunächst den Schutz von Kolonialbesitz durch unsere schwimmenden Machtmittel ins Auge, so leuchtet wohl ohne weiteres ein, daß der Besitz geräumiger Hafenbecken, groß genug, einer ganzen Flotte Aufnahme zu gewähren, natürlich am besten den bestehenden Wünschen entsprechen würde. Eine Bagamoyo-Reede ist nicht mit dem herrlichen Hafen von Daressalam zu vergleichen, ein Liegeplatz vor Kilwa-Kiwindje bietet nicht die Vorteile wie der Hafen von Kilwa- Kijsiwani. In den ersten Fällen ein nach allen Seiten offenes Revier, das von einem herannahenden Feinde sofort übersehen werden kann, ein Liegeplatz, der, unter dem seemännischen Gesichtswinkel betrachtet, recht viele Schwierigkeiten verursachen kann (schwieriger Bootsverkehr, schlechtes Zuankerliegen, Gefahr des Treibens u. ä.)i in den anderen Fällen etwas, das man wohl mitAbrahams Schoß" zu bezeichnen pflegt. Aber abgesehen von den. rein seemännischen Rücksichten muh die Forderung gestellt werden: Eine solche Auswahl der Stützpunkte, daß durch natürlichen Schutz dem Feinde die Einsicht in den Hafen entzogen ist. Flottenstützpunkte mit hügeligem oder bewaldetem Ge­lände zwischen Ankerplatz und See würden also die erwünschten Vorteile bieten. Doch da schweift der Gedanke gerade zur Belagerung von Port Arthur und auch zu der von Tsingtau. Mit der Sichtentziehung allein ist es nicht getan, wenn man nicht auch etwasim Rücken" hat. Diese Rückendeckung aber gibt ein gut Stück deutsches Land, das ge­nügende Machtmittel zur Verfügung hat und dadurch den Stützpunkt zu einem Platze macht, wo die Schiffe vom Lande her, zumal von hohen Bergen aus (Port Arthur), nicht so leicht beschossen werden können.