Druckschrift 
Kolonie und Flotte / verf. von Schlieper
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21

IV. Der Weltkrieg. Kamps in den Kolonien.

lUMls es zur Gewißheit wurde, daß unsere Feinde den Feuerbrand auch in die Kolonien schleudern würden, da sahen sich die draußen befindlichen Kriegsschiffe einer Riesenaufgabe gegenüber. Die Überzahl der feindlichen Kräfte war schließlich zu groß, als daß auf Er­folg gerechnet werden konnte. Trotzdem war sich jeder Kommandant dessen bewußt, daß er alles zu versuchen hatte, der kolonialen Sache zu nützen und dem Feinde Abbruch zu tun. Danach ist getreu verfahren worden; nirgends draußen in den Tropen ist die deutsche Flagge in Unehren gesunken. Vorgeheißt bis zum Flaggenknopf, hat sie immer bis zum völligen Ende geweht.

Kiautschou.

Einstehe für Pflichterfüllung bis zum Äußersten", drahtete der Gouverneur von Kiautschou bei Ausbruch des Krieges mit Japan an den Obersten Kriegsherrn. Diesem Gelöbnis getreu wurde dort mit allen Mitteln bis zum bitteren Ende gekämpft. In Tsingtau lag die Verteidigung lediglich in den Händen der Marine, von der dies Gebiet auch verwaltet wurde. An Schiffsmaterial standen nur die Kanonen­booteCormoran",Iltis",Jaguar",Luchs",Tiger" und einige Torpedoboote zur Verfügung, denen sich das gerade dort anwesende österreichisch-ungarische KriegsschiffKaiserin Elisabeth" in treuer Waffenbrüderschaft anschloß.

Auch dort ein Hand-in-Hand-Gehen von schwimmender Macht und Landtruppe, der kolonialen Macht, die in Tsingtau durch unsere wackeren Matrosenartilleristen, Seesoldaten, Marinefeldartilleristen und sonstige Waffen, die zur Behauptung eines solchen befestigten Ortes nötig sind, dargestellt wurde. Aber was ist da viel zu erklären gegenganz Japan" und die in Ostasien befindlichen britischen Kriegs­schiffe, gar nicht zu reden von den sonstigen eigens nach jenem Kriegs­schauplatze entsandten indischen oder anderen Streitkräften, gegen einen derartigen Anprall konnten, wie früher schon ausgeführt wurde, die Befestigungen dieses Gebietes auf die Dauer nicht gehalten werden. Unsere Machtmittel würden hingereicht haben, Aufstände im Pachtgebiet niederzuschlagen, vielleicht auch einem einzelnen Seegegner das Gegen­gewicht zu halten, nie aber einer solchen Hochflut von Angreifern. Ein kriegsstarkes deutsches Regiment gegen dreißigtausend Feinde, das ging nicht.