23
Hältnisse gebotene Rücksicht auf die Troßschiffe nehmen müssen. Mit ihnen als Last und ohne einen sicheren Hafen zur Kohlenübernahme, Verpflegungsergänzung, mußte sich Graf Spee durch den Stillen Ozean schleppen. Um so mehr muß man seine erfolgreiche Reise bis zum letzten Kampfe mit der englischen Übermacht bewundern,
„Königsberg."
Wir werfen nun den Blick wieder auf O st a f r i k a. Dort „schützte" also nur der Kleine Kreuzer „Königsberg", ein Schiff von 3400 Tonnen Deplacement, mit zehn 1V,5-c?m-8. X. und kleineren Maschinenwaffen armiert, außerdem Torpedoausrüstung, die Küste, Kommandant war Fregattenkapitän Looff. Dieses Schiff führte nach Ausbruch der Feindseligkeiten zunächst im Golf von Aden den Kreuzerkrieg und ging dann später, den Handel der Engländer an der britisch-ostafrikanischen Küste schädigend, in die Zan- zibar-Gewässer, Von Kapstadt nämlich kam der Feind, die britischen Kreuzer „Pegasus" und „Astrcia". „Pegasus" tat sich dadurch hervor, daß er die offene Stadt Bagamono mit 3V Granaten bewarf und andauernd die Häfen Tonga und Daressalam belästigte. Aber in der Frühe des 19. September ereilte den Kreuzer sein Schicksal, Von der „Königsberg", die in den ostafrikanischen Gewässern den Engländern unvermutet eingetroffen war, wurde das Schiff auf der Reede von Zan- zibar überrascht und durch ein wohlgezieltes Feuer aus 6000 Meter Entfernung in den Grund geschossen. Damit hatte „Königsberg" der Kolonie Ostafrika einen wesentlichen Dienst geleistet, hatte sie von einem Quälgeist befreit. Natürlich folgte seitens des Briten der Gegenzug, Mit einem mächtigen Linienschiff („Goliath"), zwei 5500-Tonnen- Kreuzern („Challenger" und Weymouth"), dazu einem Troß von Spezialschiffen, rückte er an, diese das „Rrüs ZZi-itannia" so wenig achtende „Königsberg" zu fangen. Das deutsche Schiff dachte aber an den Spruch von den Nürnbergern und ging nicht in der Engländer Netze. Erst Ende Oktober wurde die „Königsberg" in der Rufidji- Mündung entdeckt und von starken Gegnern bedroht. Der einzige Ausweg war, den Fluß aufwärts zu dampfen. Entschlossen nahm Kapitän Looff die Barre und brachte das Schiff weiter stromauf in Sicherheit, wohin der Gegner mit seinen tiefer gehenden Schiffen nicht folgen konnte. Es wurde aber ein englischer Kohlendampfer in der Mündung versenkt, um den deutschen Kreuzer festzuhalten. Und nun begann der heldenhafte Verteidigungskampf unserer „Königsberg" im Kikunja- Mündungsarm, wo noch nie ein solch großes Schiff zu Anker gegangen war. Wenn man bedenkt, daß es den Engländern erst nach vier größeren Angriffen mit immer wachsender Schiffszahl gelang, die