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Kolonie und Flotte / verf. von Schlieper
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kommission unter Dr. Nachtigal nach den westafrikanischen Gebieten, und dieses Schiff war es, welches bei dieser Gelegenheit auch im Ka­merundistrikt (Belltown, Aquatown, Deidotown, Bimbia, Batanga, Kribi) die deutsche Flagge heißte. Es fehlte auch damals nicht an der Gegenarbeit Englands, das eifrigst bemüht war, die Eingeborenen gegen die Deutschen aufzuhetzen. Aber da kam Admiral Knorrim Dezember desselben Jahres mit seinem aus den KorvettenBismarck",Olga", Gneisenau" undAriadne" bestehenden Geschwader und ließ in den unruhigen Gebieten landen.

Dem Führer, Kapitän z. S. Karcher, wurde befohlen, Joßtown und Hickorytown zu nehmen und der Hauptrebellenführer habhaft zu werden. Mit bekannter deutscher Gründlichkeit wurde der Kriegszug durchgeführt, eine Proklamation erlassen, die unter Androhung der Ausweisung weitere Ruhestörung, auch Waffen- und Munitionshandel verbot. Ein Vorstoß derOlga" bis nach Hickory und Kingbelltown, verbunden mit einem Bombardement, sorgte für den üblichen Nachdruck. Das half und brachte die Aufrührer zur Besinnung, die auch anhielt, als der englische Konsul auf dem KanonenbootWatchful" erschien und allerhand Proteste erhob. Sie nützten nichts; denn Admiral Knorr war nicht der Mann, dem man etwas vormachen konnte. Am 1. April 1883 konnte er mit seinem Geschwader befriedigt weiterziehen, während unsere braven StationsschiffeHabicht" undMöwe" an der westafrika­nischen Küste blieben und für völlige Beruhigung forgten. Damit war aber die Mitwirkung der Marine in Kamerun nicht zu Ende. Im Jahre 1891 wurde ein Kriegszug gegen die aufständischen Aboleute erforderlich. Unter Leitung des Kapitänleutnants Moritz Krause führten die Landungsabteilungen desHabicht" und derHyäne" ihn in Gemeinschaft mit der Schutztruppe durch. Die letztere stand unter dem Kommando des bekannten früheren Ostafrikakämpfers Graven - reuth, der leider Ende 1891 bei der Bestrafung der Batwiri am Kamerungebirge den Heldentod erlitt. Gegen zehnfache Übermacht erzwäng die kleine Marineabteilung die Besitzergreifung des Hauptortes der Aboleute, Miang.

Nochmals mußte die Marine eingreifen, als im Jahre 1894 unter der Polizeitruppe an der Kameruner Küste ein ernstlicher Aufruhr aus­brach. Aber promptes deutsches Granatfeuer der Kriegsschiffe und die Entsendung einer Kompagnie Marineinfanterie brachte die Meuterer zur Besinnung.

Wir wenden uns nun zum Togogebiek, dem zu Beginn des Krieges so schnell verlorenen und dann viel und schmerzlich genannten wegen der in Dcihomey gegen die Togo-Deutschen verübten schamlosen Scheuß­lichkeiten.

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