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Kolonie und Flotte / verf. von Schlieper
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unter Führung eines Freiherrn v, Spiegel, der als U-Bootkom- mandant jetzt von seinen Kriegsfahrten so spannend zu erzählen weiß.

Den Heldentod erlitten auf deutscher Seite Leutnant zur See Erhardt, Obermatrose Kneidel und Obersignalgast Günthe r. Die Verwundungen waren zahlreich. Die Anstrengungen für unsere Leute waren groß; aber das Ziel wurde erreicht: der Rebellenführer Jomalau stellte sich am 14. Februar 1911, und am 22. Februar konnte der Aufstand als erloschen betrachtet werden. Diese Ereignisse hatten gezeigt, daß Missetaten gegen unsere deutschen Brüder auch in den entlegensten Gebieten nicht ungesühnt blieben. Der deutsche Kreuzer fand auch dorthin seinen Weg und seine Matrosen schlugen sich in den Bergen ebenso brav wie sie an Bord auf ihrem platten Deck die Schiffs­geschütze zu bedienen verstehen.

Pachkgebiet Kiautschou.

Ohne Blutvergießen erwarben wir es am 15. November 189?! deutsches Herzblut um Kiautschou sollte erst fließen, als der Japaner den Weltkrieg benutzte, uns das Pachtgebiet zu entreißen.

Die Inbesitznahme erfolgte als Vergeltung für die Ermordung zweier deutschen Missionare 1897 durch Mannschaften der Schiffe Kaiser",Prinzeß Wilhelm" undCormoran" unter Befehl des da­maligen Chefs des Kreuzergeschwaders, Konteradmiral v. D i e d r i ch s. Der chinesische Befehlshaber an Land, ein General, wurde vollständig überrascht. Die Besetzung war geboten zur Wahrung unserer deutschen Interessen. Zur Stärkung unseres Ansehens wurden später unter Füh­rung des Prinzen Heinrich weitere Schiffe (Deutschland",Kaiserin Augusta" undGefion") nach Kiautschou entsandt. Erster Gouverneur des Pachtgebietes wurde Kapitän zur See Truppel ; er erhielt später noch ein zweites Mal diese Stellung. Ein besonders tatkräftiger Gou­verneur war auch Kapitän zur See I ä s ch k e. Bei Ausbruch des Welt­krieges hatte Kapitän zur See Meyer - Waldeck diese Stellung inne. Die bewaffnete Macht in Kiautschou bestand in letzter Zeit aus Matrosenartillerie, Marineinfanterie, Marinefeldartillerie. Dem Gou­verneur unterstand ferner das für einen solchen Stützpunkt erforderliche Beamtenkorps. Man darf, zumal als Augenzeuge, ruhig behaupten: es war eine helle Freude zu sehen, wie alle Bevölkerungsteile in dieser Kolonie mit Verständnis und Einmütigkeit arbeiteten, und wie sie der Welt ein leuchtendes Beispiel von der Kolonisationsbefähigung der Deutschen gaben. Dort in Tsingtau war die Marine das vorherr­schende Element, wie auch das Pachtgebiet der Marineverwaltung <Reichs-Marine-Amt) unterstand. Der Seeoffizier hat dort aber so