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Kolonie und Flotte / verf. von Schlieper
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in. Vor dem Weltkriege.

er obige Rückblick auf die Ereignisse in den verschiedenen Kolonial­gebieten dürfte gezeigt haben, wie durch ein erfreuliches Zu­sammengehen von Marine und Landtruppen das Ziel der Be­setzung und Sicherung der Kolonien erreicht wurde. Oft genug war das nur unter Einsatz schwerer Opfer möglich; aber nicht umsonst war das Blut der deutschen blauen Jungen und der Kolonialtruppen ge­flossen: die Schutzgebiete wurden deutsch und blieben deutsch; friedliche Kolonialarbeit konnte ihren Anfang nehmen oder wieder fortgesetzt werden.

In den Küstengebieten half die Marine die Erfolge gewinnen und sichern, wennschon in Ansehung der nicht bedeutenden Mittel oft genug mit Schwierigkeit. Die eigentliche Kolonialtruppe beherrschte das Innere. Immer wieder konnte, allgemein gesprochen, die Wahrneh­mung gemacht werden, daß das Zeigen der deutschen Flagge, das Er­scheinen unserer Kriegsschiffe an der Küste auf die Eingeborenen großen Eindruck machte, und als Kuriosum sei es erwähnt hatten die Schiffe recht viele und dicke Schornsteine, dann war gleich leichteres Arbeiten mit den schwarzen Krausköpfen festzustellen. Ein so großes Schiff machte Aufsehen und verfehlte seine Wirkung nicht. Ganz be­sonders war dies der Fall, wenn gar ein Geschwader von mehreren, bisher nicht gesehenen großen Schiffen einlief, denn der dauernde An­blick der StationsschiffeM ö w e",Schwalb e" oderW o l f" setzte auch in den Augen des Eingeborenen ihre Furchtbarkeit etwas herab, und es war gut, wenn gelegentlich andere und stärkere Schiffe gezeigt wurden.

Wer den Dingen in Übersee und der Marinezentralbehörde näher gestanden hat, weiß zur Genüge, daß es oft viel Kopfzerbrechen ge­kostet hat, den Wünschen unserer Kolonien nach Entsendung von See­streitkräften gerecht zu werden. Da sollte umgehend ein Schiff nach Apia kommen, weil dieser oder jener Häuptling wieder bodenlos frech geworden war; aber noch dringender, so wurde wohl gleichzeitig be­hauptet, sei seine Anwesenheit in den Gewässern der Karolinen. Un­bedingt erforderlich indes, so hieß es zur selben Zeit, war das Zeigen der deutschen Flagge in Südwest, und Kamerun wollte durchaus ein Schiff haben, weil sich schon so lange kein größeres Kriegsschiff gezeigt hätte. Da war oft schlecht Rat zu schaffen, und man wollte es doch so gern. Da haben denn häufig genug die Auslandskreuzer mehr leisten