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Bd. 1 (1845)
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Der Erzbischof Adalbert.

Im Jähzorn schlug er feinen Propst und Andere blutrünstig und war dann wie ein Löwe, dem bei guter Laune schmeichlerische Hofleute und Tafelfreunde leicht etwas abzwackten; Lügner fanden Glauben und Rechtschaffene keinen; Traumdeuter, Wahrsager, Neuigkeitskrämer waren angenehm und Aberglaube beschlich ihn immermehr, den auch ein getaufter Jude die Kunst lehren wollte, aus Kupfer Gold zu machen. Er ließ sich den Patriarchen von Hamburg nennen, Pflegte alles Wohllebens, seine reich besetzte Tafel, war Fremden überaus zugänglich, das Tischgespräch des Gefeierten ergoß sich in muthwilligem Spott über Vornehme und Große, die er zum Gelächter machte, deren Feindschaft nicht aus­bleiben konnte, sich jedoch vor dem alles vermögenden Regenten am Hofe zu scheuen hatte. Der übermüthige Mann ging nur weiter, unersättlich in seiner Herrschsucht wie. er war: er wollte alle Grafschaften, die in seinem wcitlciuftigen Sprengel lagen, um Geld unter seine Botmäßigkeit bringen sammt ihrer Gerichts­barkeit, was ihm auch mit der großen Grasschaft Fivelgoe in Friesland, deren jährliche Einkünfte man aus 1000 Pfund Silber anschlug, gelang; mit der Grafschaft Lesum brachte er die Graf­schaft Stade an sich, welche nebst den Regaliecn 1000 Mark Silber jährlich eintrug, so auch die Grafschaft Emisgoe, womit er den Grafen Udo von Sachsen belehnte. Kirchenräuberisch ließ er goldene Kreuze, Kronen, Altäre, andere Kirchenklcinodien eiuschmelzen, nahm vieles Eigenthnm an Silber weg, mit Ver­sprechen, es in Gold wieder zu ersetzen und was die Gräfinn Emma geschenkt, unter Vielem zwei goldene mit Edelsteinen besetzte Kreuze, ging alles in den Handel. Die Negalieen, Mimzcn zu schlagen, Jahrmärkte zu halten, Zölle zu Land und Waffer anzulegen, fielen ihm zu; alles war auf eine völlige Landeshoheit gerichtet, welche er doch nicht erreichte, denn die Grafschaft Stade kam erst 150 Jahre später als Eigenthum an den erzbischöflichen Stuhl.

Ein längst drohendes Wetter zog aber gegen den Allgefürch- tetcn herauf, dem es indeß noch gelang, von dem ein Jahr aus dem Reiche verbannt gewesenen Herzoge Herrmann, Herzog Bernhards Sohn, 50 Hufen Landes für die Kirche Bremens als Buße und Sühne zu erhalten, daß er die Stadt Bremen und das ganze Land geplündert hatte, weil der Erzbischof ihm