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Die kriegerischen Ereignisse in den deutschen Kolonien im Jahre 1904 / von [Hermann] Kunz
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biete der Ndsimus und Njems erschien, abermals unbotmäßige Häuptlinge zur Unterwerfung zwingen. Die Polizeitruppe verlor 32 Mann tot und verwundet, der Feind ließ allein am 27. Februar 46 Tote liegen.

Am 19. April 1904 hatte Herr Preuß schon wieder ein hitziges Gefecht bei Adjela zu bestehen, er selbst verlor 10 Mann tot und verwundet, der Feind ließ 26 Tote liegen.

Geordnete Zustände werden hier erst durch dauernde Entfaltung starker deutscher Machtmittel hergestellt werden können.

Sehr ernste Kämpfe haben im Konzessionsgebiet der Gesellschaft Nordwest­kamerun stattgefunden. Im Januar 1904 begab sich der Leiter der Station Ossidinge, Graf Pückler, mit 30 Polizeisoldaten in den Norden seines Bezirks, weil die Eingeborenen die Ausbreitung des Handels in die dortigen reichen Gnmmibezirke verwehrten. Er geriet am 22. Januar bei Basho, unweit der englischen Grenze, in einen Hinterhalt, und wurde mit fast seiner gesamten Mannschaft niedergemacht. Die Eingeborenen zerstörten die Stationen Nssana- kang und Ossidinge, ebenso alle Faktoreien der Gesellschaft, und außer dem Grafen Pückler kamen noch vier weiße Beamte um ihr Leben.

Zur Unterdrückung des Aufstandes wurden sofort energische Maßregeln ge­troffen. In den folgenden Monaten kam es zu sehr heftigen und blutigen Kämpfen, für die schließlich der Kommandeur der Schutztruppe, Oberst Müller, 3 Kompagnien und 2 Maschinengewehre mit 12 weißen Offizieren und Ärzten, 13 weißen Unteroffizieren und 370 farbigen Soldaten zu seiner Verfügung hatte. Es dauerte ein halbes Jahr, bis der Aufstand im wesentlichen als niedergeschlagen betrachtet werden konnte, aber die Verluste der Schutztruppe waren groß. Ein weißer Unteroffizier starb an Krankheit, 1 Offizier, 2 Unteroffiziere wurden ver­wundet, nicht weniger als 59 farbige Soldaten und Träger fielen im Kampfe, 140 farbige Soldaten und Träger wurden verwundet. Vorn Feinde wurden 208 Tote gezählt, etwa 200 Mann gefangen genommen, der Hauptanstifter des Aufruhrs wurde gefangen und mit dem Tode des Erhängens bestraft. Der wirkliche Verlust des Feindes war jedoch weit größer, als deutscherseits fest­gestellt werden konnte.

Itl. Neuguinea.

Aus der Gazelle-Halbinsel wurde am 13. August 1904 die Missionsstation St. Paul in den Bainingbergen von den Eingeborenen überfallen, 10 Brüder und Schwestern der Mission ermordet. Schon in den nächsten Tagen wurden die Schuldigen energisch bestraft, 15 Eingeborene im Gefecht erschossen, später noch 2 Angefangene Mörder hingerichtet.

Im November 1903 überfielen die Eingeborenen die Station der Neu­guinea-Kompagnie in Peterhafen (French-Jnseln). 2 Weiße und mehrere Farbige wurden niedergemacht, die Schuldigen demnächst nachhaltig bestraft.

Im Januar 1904 überfielen Eingeborene der Admiralitäts-Jnseln einen Schoner der Firma Hamilton L Wolfs, das Schiff wurde versenkt, die Be­satzung über Bord geworfen, wobei 7 Mann ertranken. Die Schuldigen wurden durch S. M. S.Condor" mit einem Teile der Polizeitruppe energisch bestraft.

Ebenfalls im Januar 1904 wurde die Handelsstation der Firma Wahlen aus der kleinen Insel Durouw (Hermitgruppe) überfallen, wobei 1 Weißer und mehrere Farbige um ihr Leben kamen. Die Schuldigen begaben sich aus Furcht vor Strafe in ihren Kanne auf die hohe See, wurden von einem Sturme er­faßt und kamen dabei zu einem großen Teile in den Wellen um.