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Die kriegerischen Ereignisse in den deutschen Kolonien im Jahre 1904 / von [Hermann] Kunz
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Bis zum Eintreffen des Obersten Leutwein übernahm Hauptmann v. Fiedler das Kommando. Nach der Erstürmung von Sandfontein wurde zunächst in Warmbad der Proviant und die Munition ergänzt.

Die Bondelzwarts hatten sich nach ihrer wilden Flucht in zwei Abteilungen wieder gesammelt, die Hauptabteilung stand unter dem Kapitän Johannes Christian östlich bei Hartebeestmund, die kleinere Weftabteilung bei llhabis.

Oberleutnant Böttlin machte mit 23 Mann, meist Bastards, eine Erkundung bei Hartebeestmund, stieß auf fünffache Übermacht und wurde schließlich zum Übertritt auf englisches Gebiet gezwungen, nachdem er selbst, ebenso wie 1 Mann verwundet worden war. Die Bondelzwarts verloren 4 Tote.

Sehr schwierig gestaltete sich die Verpflegung, gegen 50 Zugochsen gingen an Futtermangel zugrunde. Zum Glück zeigte sich die Lontli-^sst-^ckricrair- Nsrritoriss-Gesellschaft sehr entgegenkommend und lieferte gegen 800 Zentner Kraftfutter usw.

Für den Angriff auf die in den Orangebergen eingerüstete Hauptabteilung der Bondelzwarts wollte Hauptmann v. Fiedler die Gebirgsbatterie herbeiholen und begab sich deshalb nach Keetmanshoop.

Die Hottentotten der Karasberge boten dem Bezirkschef, Hauptmann v. Burgsdorf, Hilfstruppen gegen die Bondelzwarts an und erhielten daher Gewehre mit Munition ausgeliefert, kaum aber hatten sie diese in ihren Händen, da stellten sie sich den Witbois des Hauptmanns v. Burgsdorf feindlich entgegen, so daß es sogar zu einem Gefecht kam.

Unterdessen erfuhr Hauptmann v. Koppy in Sandfontein, daß die West­abteilung der Bondelzwarts sich mit der Hauptabteilung vereinigen wollte. So­fort stieß er bis Homsdrift am Orangeflusse vor und verhinderte dadurch die Vereinigung beider feindlichen Abteilungen. Nunmehr trat die Weftabteilung der Bondelzwarts auf englisches Gebiet über und wurde dort entwaffnet.

Nun sollte der entscheidende Angriff auf die bei Hartebeestmund eingerüstete Hauptabteilung der- Bondelzwarts erfolgen, die angeblich nur noch etwa 100 Mann stark war. Die Verhältnisse lagen günstig, das Vieh der Bondelzwarts war dem Verhungern nahe, ihre Pferde und Zugochsen waren nahezu bewegungs­unfähig. Da schloß Oberst Leutwein am 27. Januar 1904 Frieden. Die Bondelzwarts versprachen, ihre Gewehre abzugeben, die Schuldigen auszuliefern und Krvnland abzutreten.

Offenbar übte die Nachricht von dem inzwischen ausgebrochenen Ausstände der Hereros hierbei einen schweren Druck aus, und es war zweifellos sehr wichtig, sobald als möglich die im Süden unserer Kolonie versammelten Streitkräfte nach der Gegend von Windhuk zu werfen, allein der Friedensschluß, der dies ermög­lichte, muß als übereilt bezeichnet werden. Die Bondelzwarts dachten gar nicht daran, die Friedensbedingungen zu erfüllen, sie lieferten nur solche Gewehre aus, für die ihnen die Munition ausgegangen war, statt 500 bis 600 Gewehre wurden nur etwa 250 ausgeliefert.

3. Die Empörung der Hereros.

4. Erste Periode.

Von dem Beginn des allgemeinen Niedermetzelns der Deutschen bis zum Entsatze von Omarurn.

Die allgemeine Erhebung aller Hereroftämme ist wahrscheinlich schon seit langer Zeit von den Häuptlingen geplant und auf den Augenblick verschoben worden, der den Häuptlingen besonders günstig erscheinen würde. Als nun Ende