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Kolonialpolitischer Führer / hrsg. vom Kolonialpolitischen Aktionskomité
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Ausdehnung des Wirtschaftslebens im 19. Jahrhundert.

Um die Notwendigkeit der deutschen Kolonialpolitik zu ver­stehen, muss man sich zunächst ihre Entstehung klar machen.

Das 19. Jahrhundert bildet eine Epoche wirtschaftlichen Auf­schwungs wie keine andere Periode der Weltgeschichte. Die Wirren der französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege hatten viele Zwergstaaten weggefegt und die grossen stärker und damit wirt­schaftlich leistungsfähiger gemacht; die lange Friedenszeit nach 1815 zwischen den Hauptmächten gab die Möglichkeit, die agrarischen, industriellen und kommerziellen Kräfte zu entwickeln; neue grosse technische Erfindungen, wie Eisenbahnen, Dampfschifte, Maschinen aller Art, Telegraphen förderten die Produktion und belebten den Verkehr der Nationen unter einander. Entsprechend dieser emsigen Produk­tionstätigkeit auf allen Seiten stieg der Welthandel enorm: um 1800 wurde der Aussenhandel aller Länder der Welt geschätzt auf etwa 6 Milliarden Mark, 1850 auf 17, 1860 auf 30 Milliarden. Im Zu­sammenhang mit dieser Steigerung steht die Erweiterung des Handels­gebietes der Haupthandelsmächte: England macht in den ersten beiden Generationen nach 1815 seine Kolonien ertragreicher und dehnt seinen Besitz in West- und Süd-Afrika und in Australien wenn auch zeitweilig zögernd fortgesetzt aus; Frankreich erwirbt Algier, ver- grössert sein Gebiet in West-Afrika und legt den Grund zu einer grossen Kolonie in Südostasien; Russland unterwirft das Kaukasus­gebiet und streckt die Hand nach Zentralasien aus; die Vereinigten Staaten endlich besiedeln den noch unerschlossenen Westen Nord- Amerikas. Alle diese Staaten erhalten in diesen Gebieten ein ge­waltiges Arbeitsfeld für ihre nationale Betätigung, vielversprechende sichere Absatzgebiete für ihre industriellen Produkte, Lieferanten von Rohstoffen aller Art und zum Teil Auswanderungsgebiet für ihre wachsende Bevölkerung.

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