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Kolonialpolitischer Führer / hrsg. vom Kolonialpolitischen Aktionskomité
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unserer Siedlungsländer im sozialdemokratischen Handbuch:Ansässig sind denn auch heute in den gesamten Kolonien nur rund 6000 Deutsche, sämtliche Beamte, aber nicht die Schutztruppen in Südwestafrika, ein­gerechnet. Dabei umfassen sie ein Gebiet von 2 658 000 Quadratkilo­meter, sind also nahezu fünfmal so gross als das Deutsche Reich. Es wohnen in diesem riesigen] Gebiete aber nur 1272 Millionen Ein­geborene.

Ein englischer Sozialdemokrat vor 300 Jahren hätte 20 Jahre nach der ersten Ansiedlung in Nordamerika mit ebensoviel Recht und Verstand die Besiedlungsfähigkeit Nordamerikas ablehnen können, weil nur 12000 Engländer dort ansässig seien, und in dem riesigen Ge­biete, das 40 mal so gross als Grossbritannien sei, nur 1 Million Eingeborene wohne.

Kolonien, Kapital und Finanzen.

Wenn so die deutsche Auswanderung erst in geringen, aber durchaus normalen Anfängen ihren Weg nach den deutschen Kolonien genommen hat: hat dann das deutsche Kapital in ebenso befriedigender Weise sich an der Erschliessung des neuen Landes beteiligt?

Hierauf gibt die beste Auskunft die dem Reichstag durch den Kolonialdirektor amtlich vorgelegte Denkschrift. Die Objektivität der darin enthaltenen Berechnungen ist unanfechtbar, denn die meisten Mit­arbeiter der Denkschrift sind nicht etwa Beamte, sondern unabhängige Gelehrte und Fachmänner, denen das amtliche und vieles vortreffliche Privatmaterial persönliche Mitteilungen und Geschäftspapiere aller Art zur Verfügung gestellt worden ist.

Hiernach beträgt die Gesamtsumme, die bisher in den Kolonien arbeitet, 370 Mill. Mark. Davon entfallen auf das Reich 70 Millionen, auf Privatunternehmungen in den Kolonien 230, auf den Verkehr zwischen Kolonie und Mutterland 70 Millionen. Dazu kommt dann noch das ausländische unberechenbare Kapital. Es ist eine beträchtliche Summe, wenn man erwägt, dass das deutsche Kapital in China ebenfalls nicht über 350 Millionen beträgt: gewiss ein Zeichen von dem Vertrauen, das die Geldbesitzer auf die Zukunft der Kolonien hegen und ein Zeichen, dass das deutsche Kapital neue Arbeitsgebiete nötig hat. Und zum Teil hat sich das Vertrauen bereits belohnt. Etwa 190 Millionen des Privatkapitals beginnen bereits grössere oder geringere Renten ab­zuwerfen, 160 sind in der Entwicklung begriffen: ebenfalls ein gutes Zeichen für die Fruchtbarkeit der Kolonien, da ja, wie ausgeführt, die meisten Anlagen von Grund aus gemacht, also hohe Anlagekosten ver-

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