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Kolonialpolitischer Führer / hrsg. vom Kolonialpolitischen Aktionskomité
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begriffen ist and den weitaus grössten Teil derHerrschenden er­griffen hat.

Da also die von den Sozialdemokraten denherrschenden Klassen imputierte Lebensanschauung nicht existiert, kann sie unmöglich in den Kolonien so üble Früchte hervorbringen. Weltanschauung und Inter­esse derherrschenden Klasse weisen vielmehr auf die von den Sozial­demokraten geforderte Kolonialpolitik hin.

Bisher haben wir die deutsche Kolonialpolitik betrachtet vom Standpunkt des deutschen Interesses, betrachten wir sie zum Schluss einmal unter weltpolitischem Gesichtspunkt.

Kolonien und Imperialismus.

Wie bekannt, besteht in den grossen Weltmächten die Tendenz des Imperialismus, d. h. die grossen Mächte suchen sich ein Gebiet in verschiedenen Weltteilen zu schaffen, das alles hervorbringen kann was die moderne Kultur braucht, also auf fremde Einfuhr verzichten kann, wobei es dahingestellt bleiben kann, ob der Ausschluss fremden Imports durch Prohibitivzölle oder durch eigene billige Massenproduktion erfolgen wird.

Natürlich will sich ein solches Reich nicht begnügen, seinen eigenen Konsum zu decken, es strebt vielmehr danach, mit seinem Ueberschuss an Produkten den Weltmarkt zu überschütten und sich durch Verkaufen an das Ausland zu bereichern. Die Staaten, in denen solche Tendenzen mit grösserer oder geringerer Stärke leben, sind die Vereinigten Staaten, Russland, England und Frankreich. Sie sind sämtlich in der Lage, vermöge ihres in verschiedenen Zonen belegenen Besitzes alle Weltprodukte selbständig hervorzubringeD. Dringen diese Bestrebungen durch, so wird die Welt in mehrere grosse Produktions­gebiete zerschlagen, diejenigen Mächte, die eine gleich günstige Lage nicht besitzen und auf die Einfuhr aus jenen grossen Gebieten ange­wiesen sind, geraten in ihre wirtschaftliche Abhängigkeit, denn sie sind ja nicht imstande, jenen alles Besitzenden für das Empfangene etwas Gleichwertiges und ihnen Notwendiges zurückzugeben. Der wirt­schaftlichen Abhängigkeit muss bald die politische nachfolgen: die grossen Staaten würden in Zukunft grösser, die kleinen kleiner werden, hat Lord Salisbury, der frühere englische Premier, einmal gesagt.

Das Resultat dieser Entwicklung wäre also, dass wirklich lebens­fähige Nationen ausser jenen grossen nicht mehr vorhanden wären, denn ohne Zweifel verliert eine Nation mit ihrer Selbständigkeit auch die Schwungkraft des Geistes, die sie allein zur Lösung von Kultur-