Print 
Kolonialpolitischer Führer / hrsg. vom Kolonialpolitischen Aktionskomité
Place and Date of Creation
Page
37
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

37

dass es nicht länger angehe, jährlich 15000 britische Soldaten für 24 Millionen Mark in den Kolonien zu unterhalten. In der Tat zogen sie allmählich die Truppen nach dem Kap zurück. Die Baren iin Orangefreistaat waren gerade damals schwer bedrängt von den Basutos und baten um militärische Hilfe. Die Kapregierung wäre dem Ansuchen gern nachgekommeD, unter der Bedingung, dass die Orangerivier auf ihre Autonomie verzichteten, aber die Zentralgewalten an der Themse lehnten militärische Massregeln und territoriale Expansion strikt ab. So wurden die kolonialen Verhältnisse Südafrikas immer unerquicklicher, und als der Suezkanal gebaut wurde und es fortan einen näheren Weg nach Indien gab, sodass die Schiffe des asiatischen Handels voraus­sichtlich Kapstadt nicht mehr anliefen, schien die ganze britische Kap- kolonie nach einem Bestände von 60 Jahren in ihren Lebensbedingungen bedroht zu sein. In unserem Vaterlande gibt es Leute, die Südwest­afrika nach mehr als 20jährigem Besitz wieder aufgeben möchten, weil die Lebensbedingungen der Kolonie einen Augenblick lang bedroht zu sein schienen. Sie mögen sich durch die mühsame, aber glänzende Ent­wicklung Südafrikas, die beinahe unmittelbar an jene trübe Periode anknüpft, belehren lassen.

Bedeutung der Diamantenfunde für die Kolonisation.

Am Kap waltete über der englischen Kolonialpolitik insofern ein günstiger Stern, als ungefähr gleichzeitig mit der Eröffnung des Suezkanals in der Nähe des Orangeriver Diamanten gefunden wurden. Diese Tat­sache änderte mit einem Schlage die Lage. Auf einmal gewann Süd­afrika in den Augen der Engländer an Wert. Das als reichste Fund­stätte von Diamanten sich erweisende Griqualand im Westen der Orange­republik wurde annektiert, und die britische Regierung machte kein Hehl daraus, dass sie ihre frühere Kolonialmüdigkeit inbezug auf Süd­afrika als einen Fehler ansehe. Man muss nicht glauben, dass der nun beginnende rapide Fortschritt Südafrikas auf einen Zufall zurückzuführen sei, indem die Kolonisatoren ja nicht wissen konnten, dass sie auf edle Metalle stossen würden. Die Spanier haben in Amerika die edlen Metalle gleich gefunden; sie haben nicht so mühsam darnach zu suchen brauchen wie die Engländer. Und wenn die Spanier auch Nutzen genug aus dem entdeckten Silber gezogen haben, so ist ihnen eine wirtschaftlich so gesunde Schöpfung wie das moderne britische Südafrika doch nicht geglückt. Es kommt eben nicht auf die Mineralien an, wenigstens nicht in erster Linie, sondern auf die kolonialpolitische Tatkraft und Zähigkeit,