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Kolonialpolitischer Führer / hrsg. vom Kolonialpolitischen Aktionskomité
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wachs des deutschen Nationalreichtüms während der Zeit der Aus- gabenbestreitung. Die Sparanlagen des deutschen Volkes in den öfifent- ' liehen Sparkassen betragen zurzeit jährlich etwa 700 Millionen Mark,

und die derzeitigen Einlagen in diesen Sparkassen etwa 13000 Millionen. Es betragen also die gesamten Ausgaben fiir unsere Kolonien in 22 Jahren nicht mehr, als der weniger bemittelte Teil unseres Volkes in einem Jahre zurückgelegt hat, und durchschnittlich aufs Jahr ge­rechnet, weniger als ein Viertel vom Hundert des Sparkassenver­mögens. Und nun bringe man erst die Gesamtauslagen für die v Kolonien mit dem gesamten Nationalvermögen in Vergleich. Dieses

Nationalvermögen hat man schon vor 10 Jahren auf etwa 150 Milli­arden Mark angesetzt, die Ausgaben für die Kolonien in 22 Jahren sind davon */ a %. Von jeder Mark deutschen Nationalvermögens ist in der ganzen Zeit unseres Besitzstandes 1 j % Pfg. in unsere Kolonien gegangen. Wer sich diese Ziffern vor Augen hält, kann nicht sagen, dass die Anforderungen, die unser kolonialer Besitz an uns stellt,

. solche sind, die die deutsche Nation nicht gern und freudig leisten könnte. (Nach der Rede des Kolonialdirektors am 8. I.)

Es ist um so mehr unsere Pflicht, die sich langsam verzinsenden kolonialen Anlagen jetzt zu machen, wo wir es ohne Schwierigkeit können, als wir nicht wissen, ob wir es in Zukunft mit gleicher Leich- j tigkeit können werden. Niemand kann voraussehen, ob sich in Zu­

kunft nicht unsere wirtschaftliche und finanzielle Lage durch irgend welche Ereignisse verschlechtern wird: tritt eine solche Krisis ein, so können bis dahin die heute gepflanzten Keime in den Kolonien ge­reift sein und die Krisis überwinden helfen; versäumen wir es heute, so wird es in einer solchen Krisis völlig unmöglich sein, das Ver­säumte nachzuholen. Und die Folgen für Deutschland mag sich jeder selbst ausmalen.

Unsere Kolonien als Lieferanten und Käufer.

Haben die Kolonien bereits in der Versorgung des Mutterlandes mit Lebensmitteln und Rohstoffen etwas geleistet? und was ist weiter darin von ihnen zu erwarten? Die erste Frage ist zum Teil schon durch das vorhergehende beantwortet: europäische Lebensmittel können naturgemäss für den Export in grösserem Massstabe nur von europäi­schen Ansiedlungen produziert werden, und da diese erst in den An­fängen begriffen sind, haben die Kolonien noch nichts hierin leisten können. Dass aber für die Zukunft durch die ausgedehnte Viehzucht etwas zu erwarten ist, zeigt die Vergangenheit von Südwestafrika,

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