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Kolonialpolitischer Führer / hrsg. vom Kolonialpolitischen Aktionskomité
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blieben, es sei ihnen nicht möglich, schütz- nnd wehrlos unter den Kaffern wohnen zu bleiben, welche bei jeder Gelegenheit eher als sie Gehör bei der Regierung fänden. Darauf verliessen die meisten Buren Natal und trekkten in die später Orangerepublik und Transvaal ge­nannten Gebiete, wo sie bereits Stammesgenossen vorfanden. Diese hatten gleichfalls Kapland verlassen, weil nach ihrem Gefühl die dortigen Behörden bei der Verwaltung des Landes keine glückliche Hand hatten. Sir Harry Smith teilte nicht die im damaligen englischen Beamtentum so weit verbreitete Kolonialmüdigkeit, sondern annektierte das Orange­gebiet, während er den Transvaalburen vorläufig Autonomie zugestand. Aber in der neuerworbenen britischen Dependenz gestalteten sich die Verhältnisse erst recht unerfreulich. So eingeborenenfreundlich die Politik der damals sehr philanthropisch gesinnten Engländer war, in der Orangerepublik wurden sie doch in gefährliche Kämpfe mit den Kaffern verwickelt, was sie umso bitterer empfanden, als die Einnahmen des Territoriums kaum die Unkosten der Zivilverwaltung decken wollten. Die verbitterten Buren leisteten den englischen Truppen gegen die Farbigen keine Heeresfolge.

Wenn man diese unerquicklichen Verhältnisse erwägt, kommt man zu dem Ergebnis, dass unser vielgescholtener deutscher Beamten­staat vielleicht garnicht einmal das schlechteste System darstellt, um auf dem Kolonialboden diametral sich entgegenstehende Rassen zu ver­söhnen. Der deutsche Beamtenstaat hat den Bauernstand erhalten helfen, der unter dem englischen Parlament unbeschadet der sonstigen Vorzüge dieser Verfassung zu Grunde gegangen ist. Jedenfalls hat die englische Kolonial Verwaltung, die in anderer Beziehung so Gross­artiges zu leisten vermocht hat, die Buren, welche in ihren eigenen Angelegenheiten sehr urteilsfähige Leute sind, in keiner Weise be­friedigen können. Es käme noch sehr auf die Probe an, ob ein von kräftigen und aufgeklärten Chefs geleitetes deutsches Beamtentum hin­sichtlich des berührten Punktes den gleichen Schiffbruch erleiden würde.

Deutsche Leistungen im Kaplan(le. Englische Kolonialmüdigkeit.

Da sich in England bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts wenig Auswanderer für Südafrika fanden, kam man in London auf einen Gedanken, der auch inbezug auf deutsche überseeische Nieder­lassungen angeregt und wieder fallen gelassen worden ist. Lord John Rüssel wollte nämlich Robben Island bei Kapstadt mit englischen Sträflingen besiedeln, und einige Jahre später kam Gladstone als Staats-

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