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Kolonialpolitischer Führer / hrsg. vom Kolonialpolitischen Aktionskomité
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Mittel zur Entwicklung der Kolonien.

Sind wir uns jetzt klar, dass wir kolonisieren müssen, und dass die äusseren Bedingungen des Erfolges gegeben sind, so betrachten wir noch kurz die Hauptmittel, die zur Nutzbarmachung der Kolonien dienen müssen. Dreierlei gehört dazu: Schutz von Leben und Eigentum der Europäer und Eingeborenen, Anlegung von Yerkehrsmitteln, Er­ziehung der Eingeborenen zur Arbeit und zu europäischen Bedürfnissen. Es springt in die Augen, dass diese drei Momente in engster innerer Verbindung mit einander stehen. Ohne Verkehrsmittel kann auch eine starke Truppenmacht in den weiten Gebieten Afrikas die Ruhe nicht sichern; mit guten Strassen und Eisenbahnen kann diese Aufgabe eine viel geringere Macht übernehmen. Was Verkehrsmittel für die Pro­duktion bedeuten, braucht man modernen Menschen nicht mehr ausein- anderzusetzen. Kultivierte Eingeborene endlich, die etwas erarbeitet haben, werden sich vielmehr bedenken, ihre Habe durch Krieg und Aufstand aufs Spiel zu setzen, als arme und rohe Naturvölker.

Wiederum mögen einige historische Beispiele diese Sätze be­weisen. Im Kaplande und Südafrika wurden, sobald man nach dem Auffinden der Diamanten energische Kultivierung des Landes beschlossen hatte, sogleich für mehrere 100 Millionen Mk. Eisenbahnen gebaut: 1873 hatte die Kapkolonie Eisenbahnen von 64 englischen Meilen 1885 von 1599, 1895 von 2500 Meilen, Natal hatte 1875 5 Meilen, 1885 174 Meilen Eisenbahn. Die gewaltige Entwicklung, die Südafrika seitdem nahm, ist bekannt.

In Algier wurden nach dem grossen Aufstande der Jahre 1854 bis 1857 sogleich Eisenbahnen gebaut; seitdem hielten die Kabylen Ruhe, und der Aussenbandel Algiers, der 1850 83 Millionen Franks betragen hatte, stieg 1860 auf über 157. Aehnlich war es in den siebziger Jahren: als die Kabylen unter dem Eindruck der Niederlage Frankreichs im Jahre 1870 noch einmal eine Insurrektion ge­wagt hatten, folgte nach der Niederwerfung abermals ein Strassen- und Bahnbau mit demselben Erfolge. Und das Verhältnis zwischen Eisenbahn und Produktion: Die Ugandabahn in der englischen Nach­barkolonie unseres Ostafrika hob binnen einem Jahre die Ausfuhr aa Erdnüssen, Fellen, Häuten, Kartoffeln und sonstigen Feldfrüchten in einem Jahre um 3222 Tonnen. Man sieht, wie ohne die Bahn ent­weder weniger produziert oder viel verdorben wäre. Wie unendlich falsch ist die Politik, mit der Herstellung von Verkehrsmitteln zu warten, bis sich Verkehr zeigt; umgekehrt: die Verkehrsmittel er­zeugen wirtschaftliche Werte, wo nur irgend die natürlichen Beding­ungen dafür vorhanden sind, und damit den Verkehr.