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Das portugiesische Kolonialreich der Gegenwart : mit 8 Bildertafeln, 2 Textkarten und e. Literaturverzeichnis / von Hans Meyer
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Leben führen, wenn ihm nicht China seit einigen Jahren ernste Schwierigkeiten machte. , Erst 1878 hatte China die seit 300 Jahren bestehende portugiesische Kolonie als souverainen Staatsbe­sitz Portugals anerkannt, aber die Grenzfestsetzung immer wieder hinausgeschoben. 1909 erklärte China infolge einiger Gebietsstreitig­keiten, daß es die Souveränitätsrechte Portugals nur über das kleine, die Stadt Makao tragende Halbinselchen anerkenne, nicht auch auf das umgebende Meer und seine Inseln. Ja, China drohte sogar mit einer Beschießung Makaos durch die chinesische Flotte. Dem macht­losen Portugal blieb nichts anders übrig als unter Protest seine wenigen Truppen aus den beanspruchten Territorien zurückzuziehen; aber zu einem definitiven Grenz vertrag ist es nicht gekommen.

Woher China mit einemmal den Mut und die Lust bekommen hatte, Portugal in Makao mattzusetzen, versteht man, wenn man in den da­maligen Hongkonger und Londoner Zeitungen die Aufforderung an Portugal liest, sich aus seiner bedrängten Lage in China durch den Verkauf Makaos an England zu retten. Nachdem England in Hongkong dem schwachen portugiesischen Nachbar in Makao durch stärkste Konkurrenz alle Möglichkeit großem Außenhandels unterbun­den hatte, wollte es ihm den letzten Rest geben und bediente sich dazu, um keiner Gewalttat geziehen zu werden, der Vermittlung des sou­veränen China unter Beihilfe des englischen Geldbeutels. Das so oft bewährte System würde zweifellos bald zum Ziele geführt haben, wenn nicht der noch geriebnere Japaner dem britischen Ententegenossen einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte, indem er Makao hinter dem Rücken der Engländer den Portugiesenabkaufte. Japan hat damit an der südchinesischen Küste einen festen Punkt für eine weitschauende Chinapolitik und in der Nähe der Philippinen Norda­merikas und des französischen Hinterindien gewonnen, den es auch dann nicht wieder loslassen wird, wenn es etwa zur Wiederherausgabe Kiautschous gezwungen oder aus politischen Erwägungen sich be­wogen fühlen wird. Aus Deutschlands kolonialen Zukunftsplänen ist Makao jedenfalls auszuscheiden.

Schluß.

Fragen wir zum Schluß nach dem Nutzen, den Portugal aus seinem für das kleine, menschen- und finanzschwache Mutterland immer noch viel zu großen Kolonialreich zieht, sofsägen uns die Handels­statistiken, soweit man ihre teils vom Marine-, teils vom Kolonial-, teils vom Finanzministerium, teils von andern Behörden aufgestellten,