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lassen werden "könnte, falls nicht Deutschland durch den ferneren Gang der Dinge in der Südsee sich veranlaßt sehen sollte, gerade im Grenzgebiet zwischen Holländisch-Indien, Australien und Neuguinea und gegenüber Ostafrika auch auf der andern Seite des Indischen Ozeans sich einen starken Stützpunkt für seine Hochseeflotte und für eine Dampferlinie zu schaffen. Der Widerstand hiergegen würde freilich auf englischer und australischer Seite groß und auf holländischer und japanischer nicht viel kleiner sein.
9. Makao.
Die fernste portugiesische Kolonie ist der an der südchinesischen Küste gelegne Handelsplatz Makao. Es ist aber fraglich, ob er noch als eine portugiesische Kolonie gelten kann, denn im Herbst 1916 ging von Ostasien die Nachricht durch die Welt, daß die Portugiesische Kolonie Makao von den Japanern „gekauft“ worden sei. Englische Blätter haben die Nachricht bestätigt und großes Unbehagen wegen der unmittelbaren Nachbarschaft Makaos zu ihrer eignen Kolonie Hongkong geäußert, aber irgendwelches Genaues über den „Kauf“ ist noch nicht bekannt geworden, weder vonseiten der Japaner noch der Portugiesen. Er wird wohl erst nach dem Weltkrieg wirklich perfekt werden. Darum sei an letzter Stelle auch noch ein Blick über Makao geworfen.
Makao ist eine winzige Handelsstation altportugiesischen Kolonisationsstiles ; auch dieses ist eine gefallne Größe, die sich aus eigner Kraft nicht wieder aufrichten kann, auch dieses ein letztes Überbleibsel einstiger portugiesischer ausbeutender Handelspraxis, das durch das dicht benachbarte englische Hongkong zu gänzlicher Bedeutungslosigkeit herabgesunken und durch das wachsende chinesische Machtbewußtsein auf ein territoriales Minimum eingeschränkt ist. Heute hat- diese kleinste der portugiesischen Kolonien nur 10 qkm Fläche und knapp 75,000 Einwohner, wovon rund 60,000 Chinesen und 3800 Portugiesen sind. Sie umfaßt die kleine Halbinsel Nyaomen der zur chinesischen Provinz Kwangtung (Kanton) gehörenden Insel Ksiantschou und zwei winzige davor liegende Inselchen, alle 3 am Westeingang des Kantongolfes und-Stromes, und alle 3 felsige vegetationsarme Gebiete trotz ihrer Lage an der Nordgrenze der Tropen. ’Äuf der Halbinsel in nur wenig geschützter Bucht liegt die Stadt Makao selbst, deren Verkehrslage durch die 1557 sich festsetzenden Portugiesen recht gut gewählt war. Die Stadt ist gut gebaut, sauber, reich an Kirchen und Klöstern und durchwoben von blumenreichen