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Das portugiesische Kolonialreich der Gegenwart : mit 8 Bildertafeln, 2 Textkarten und e. Literaturverzeichnis / von Hans Meyer
Entstehung
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8. Timor.

Von der dem australischen Festland nächstbenachbarten Sunda- insel Timor gehört die Westhälfte den Niederländern, die Osthälfte den Portugiesen. Diese Kolonie ist der letzte Rest des einstigen portu­giesischen Molukken- und Ostsundabesitzes, aus dem die Portu­giesen im 16. und 17. Jahrh. ungeheure Reichtümer durch den Monopol­handel mit Pfeffer, Zimmt, Gewürznelken, Muskat u. a. m. gezogen haben. 1605 bis 1688 von den Niederländern erobert, sind die wertvollen Inseln den Portugiesen bis auf die Osthälfte der Insel Timor mit dem kleinen vorliegenden Inselchen Kambing und bis auf die kleine Enklave Ambeno in der holländischen Westhälfte verloren gegangen. Erst 1859, dann 1899, 1902 und zuletzt nochmals 1908 ist der portugie­sische Besitz gegen den niederländischen teilweise ausgetauscht und genau abgegrenzt worden und stelltnun ein Territorium von fast 19,000 qkm mit ca. 200,000 malaiischen und chinesischen Einwohnern dar. Vor­mals zur Provinz Goa, später zum Verwaltungsbezirk Makao gehörend, ist Portugiesisch-Timor seit 1896 eine selbständige Kolonie unter einem eignen Gouverneur, der seinen Sitz in Dilli (Delli) hat, einem mit F ort, Klöstern, Beamten- und Kauf häusern recht stattlich aussehenden, aber von Sümpfen umgebnen ungesunden Ort an der Nordküste.

Die im portugiesischen Gebiet über 2600 m (Ermera) aufsteigenden zentralen Bergketten kristalliner Schiefer, zwischen denen jungvul- kanische Ausbrüche noch 1856 stattgefunden haben, die steilen Ko­rallenkalkküsten der Nordseite, die von Kokospalmen bestandnen Flachküsten der Südfront, die vielen Buchten der Nordostseite mit guten Ankerplätzen geben der Landschaft reizvolle Formen. Aber das ungünstige Klima mit seiner halbjährigen Trockenzeit während des Ostpassatas von Mai bis November und mit seiner viermonatigen- Regenzeit während des Südwestmonsuns von Dezember bis März, deren Hauptniederschläge von der dem Südwestmonsun zugewandten holländischen Westhälfte der Insel aufgefangen werden, läßt keinen dichten hochstämmigen Tropenwald aufkommen, sondern nur Busch- wald und grasige Savannen mit Ficus, Eukalypten, Kasuarinen und andern Baum- und Strauchformen von australischem Typus. Sandelholz ist noch häufig in den Buchwäldern. Nur im Gebirge und an den Bächen erhält sich die Vegetation auch im trocknen Sommer frisch. Dorthin ziehen deshalb dann die Eingebornen mit ihrem Vieh. Es ist ein Klima, das die Eingebornen hauptsächlich auf den Anbau vonMais, Hirse, Knollenfrüchte, Getreide anweist, während an den Berghängen