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Das portugiesische Kolonialreich der Gegenwart : mit 8 Bildertafeln, 2 Textkarten und e. Literaturverzeichnis / von Hans Meyer
Entstehung
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Allgemeines.

Unter den großen nnd kleinen Staaten Europas, die sich in diesem Weltkrieg zur Vernichtung Deutschlands und zur Lähmung seiner Bundesgenossen zusammengetan haben, ist Portugal an neunter Stelle in die Reihe unsrer Gegner getreten. Es hat aber nicht uns, sondern wir haben ihm den Krieg erklärt, und zwar am 9. März 1916, nachdem es auf Englands Anstiften 70 deutsche Dampfer, die sich Anfang August 1914 in die damals neutralen Häfen Portugals und seiner Kolonien geflüchtet hatten, beschlagnahmt hatte, um sie teils selbst zu verwenden, teils den Engländern, deren Schiffsraum immer knapper wurde, zur Verfügung zu stellen.

Seit einem halben Jahrhundert durch Parteiwirren, schlechte Finanz­wirtschaft, Schwäche der Krone, schwere koloniale Belastung und andre Übelstände immer mehr zur inneren Zerrüttung und äußeren Ohnmacht herabsinkend, war das kleine Portugal mehr und mehr in Abhängig­keit von England geraten, das in weiser Wertschätzung des in Portugals Besitz befindlichen, aber von dem schwachen Staat nicht auszunutzenden großen Kolonialreiches den geldbedürftigen Lusi- taniern eine Anleihe nach der andern bewilligte und sich dafür ein wirt­schaftliches und politisches Vorrecht nach dem andern in Portugal selbst wie in den portugiesischen Kolonien verbriefen ließ.

Schon bei Beginn des Weltkriegs hat England seine Kriegsschiffe in den Haupthäfen der portugiesischen Inselgruppen, Azoren, Madeira und Kapverden, stationiert, um die Etappenstraße nachWestabrika und nach Südamerika zu kontrolieren. Aber noch ließ sich Portugal, dessen seit 1910 republikanische Regierung widerstandskräftiger war als die frühem monarchischen, nicht zur aktiven Teilnahme am Weltkrieg für die Entente herbei. Nur in Westafrika kam es in der Kolonie Angola nahe der deutsch-südwestafrikanischen Grenze schon am 19. Okt. 1914 zu einem kriegerischen Zwischenfall mit den Deutschen. Der Bezirksamtmann unsres dortigen Nordbezirks, Dr. Schultze-Jena, war mit zwei Offizieren und mehreren Reitern einer Einladung des portugiesischen Kommandeurs des j Grenzforts Naulila zu einer

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