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Viel mehr noch als wegen seiner wundervollen, aus blauen Wogen sich in die Wolken türmenden Berglandschaft und wegen seines herrlichen milden Klimas gilt Madeira in der Wertschätzung der seefahrenden Nationen wegen seiner geographischen Lage. Noch näher als die Azoren ist Madeira der Gibraltarstraße vorgelagert, und auf nahezu gerader Linie liegt es zwischen Lissabon, den Kapverden und den Haupthäfen Brasiliens sowie zwischen Hamburg und Westafrika. Über Madeira laufen deshalb die meisten großen Südamerika- und viele West- und Südafrika-Dampfer, um Kohlen einzunehmen; etwa 1500 Schiffe ankern jährlich im Haupthafen Funchal, obgleicher weit offen und schlecht geschützt ist, so daß die Schiffe bei schwerem Wind und Seegang besser außerhalb bleiben. Schon wegen dieses Mangels an einem sichern Hafen steht Madeira in verkehrsgeographischer und marinestrategischer Bedeutung weit hinter den Azoren zurück.
England sowohl wie die Vereinigten Staaten haben schon längst ihr Auge auf diese prächtige Insel geworfen. Funchal ist in seinen marinen Anlagen, seinen Magazinen, seiner Verkehrssprache schon fast ganz anglisiert. Das Volk aber sympathisiert nicht mit England, sondern mit Amerika, mit dem es infolge der starken Auswanderung dorthin zahlreiche Verbindungen hat. Der deutsche Einfluß war stark im Wachsen, bis ihn 1903 eine ungeschickte Sanatoriumkaufgeschichte, die Englands Eifersucht reizte, gedämpft hat. Aber was jetzt nicht ist, kann ja noch werden.
2 . Die Kapverdischen Inseln.
In der nächstsüdlichen portugiesischen Inselgruppe, den Kapverden (Ilhas do Cabo verde), betreten wir die erste eigentliche Kolonie Portugals, die wie alle übrigen in den Tropen liegt. Die Kapverdenlandschaft erinnert mit ihren zahllosen Kraterbergen weithin an eine Mondlandschaft, und steril wie die Mondoberfläche sind weite Gebiete ihrer Bimssteinaufschüttung. Der noch etwas aktive höchste Berg Fogo (= Feuer) erhebt sich zu 2850 m. Klimatisch gehören die Kapverden noch zum Bereich der südwestlichen Sahara. Sie haben nur 250—300 mm Regen jährlich; ja die Hauptinsel Säo Vicente bleibt in manchen Jahren gänzlich regenlos, so daß der größte Teil des Trinkwassers von der Insel Säo Antäo herübergeschafft werden muß. Daher ist die Vegetation wüsten- oder steppenhaft, und was in den wenigen Bachschluchten noch an Bäumen und Büschen wächst, holzen die Bewohner ab und fressen die Ziegen oder Heuschrecken weg. Da die