54
fruchtbaren Urema-Niederungen bis in die Gegend der Beirabahn deutsch würden. Nach der Beseitigung des Schlendrians und der faulen Wirtschaft der portugiesischen Verwaltung müßte dann aber auch die alle Konkurrenzarbeit ausschließende Vorzugsstellung der großen Chartergesellschaften, die „Staaten im Staate“ sind, wegfallen und die viel zu großen Konzessionen der mannigfachen Erwerbsgesellschaften eingeschränkt werden. Konzentrieren die Gesellschaften ihre Kräfte auf kleinere Gebiete und deren Entwicklung, fördert die deutsche Regierung den Aufschluß des Binnenlandes durch eine Bahn von der Pembabai nach dem Nyassasee und durch Ausgestaltung der Sambesiroute, fördert sie die produktive Entwicklung und den Handel durch eine verständige Arbeiterpclitik und durch die Plantagerarbeit in den geographischen Verzugsgebieten der Flußebnen und der Hochländer, so wird „Deutsch-Mogambique“ auch wirtschaftlich einen Aufschwung nehmen, den man unter der bisherigen Verwaltung für ganz unmöglich halten mußte.
7. Portugiesisch-Indien.
Mit dem stolzen Namen Estado da India belegt Portugal seine 3 kleinen Kolonien an derWestküste Vorderindiens, die zusammen nur 3807 qkm groß (= Herzogtum Braunschweig) sind, aber 604,960 Einwohner (1910). also die hohe Volksdichte von 160 p. qkm haben. Es sind: erstens das Territorium von Goa inmitten der Malabarküste, der einstige Glanzpunkt des ganzen westlichen Indien und die Hauptniederlassung der Portugiesen seit 1510, mit dem kleinen Felseninselchen Angedrve, dann nördlich von Bombay das nur 380 qkm große, in drei unzusammenhängende Stücke zersplitterte Damäo am Osteingang des Golfes /on Cambay, und drittens das bloß 53 qkm umfassende Diu-Inselchen mit einem winzigen Küstenstreif gegenüber an der Südspitze der Halbinsel Gutscherat. Die indische Kolonie wird von einem Generalgouverneur verwaltet, der in Nova Goa (Panjim) residiert und die Gouverneure von Damäo und Diu unter sich hat.
Die 3 Distrikte sind der traurige Rest des einstigen, mit Vasco da GamasLandung in Kalikut 1498 beginnenden portugiesischen Kolonialreiches in Indien, das Anfang des 17.Jahrh. den Holländern, Mittedesl8. Jahrh. den Engländern immer mehr Raum geben mußte, bis von Mitte des 19. Jahrh. nur noch die genannten 3 kleinen, von englischem Besitz umschlossnen Enklaven übrig geblieben sind. Es sind aber auch die Überbleibsel der alten „punktweisen“ Kolonisation der Portugiesen,die sich auf einzelne befestigte Handelsstationen im Küstenlande be-