Druckschrift 
Das portugiesische Kolonialreich der Gegenwart : mit 8 Bildertafeln, 2 Textkarten und e. Literaturverzeichnis / von Hans Meyer
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16

An dem aus ihrer Lage vor Af rikasWestspitze entspringenden verkehrs- geographischenund flottenstrategischen Wert der Kapverden ändert aber dieser neuere Stillstand des Dampferanlaufens natürlich nur wenig. Die vorzügliche Verkehrslage gibt dem kleinen Archipel die wirtschaftliche und weltpolitische Bedeutung, die ihn für jede Weltmacht begehrenswert erscheinen läßt, für die deutsche umsomehr, als sie auf dem Seeweg von Deutschland nach Mittelafrika keinen bessern Stützpunkt vor der westafrikanischen Küste finden kann, während gegenüber auf dem Festland bereits Frankreich und England stark ausgebaute Kriegs- und Handelshäfen, jenes in Dakar, dieses in Bathurst und weiter südlich in Freetown, haben und Nordamerika vor­aussichtlich einmal in der von ihm gegründeten und bevormundeten Negerrepublik Liberia haben wird.

3. Portugiesisch-Guinea.

Den Kapverden zunächst gelegen ist die älteste kontinentale Kolonie Portugals in Afrika, Guineaportugueza, wosich die portugiesischen Faktoreien schon um 1460 organisiert haben. Die auf dem Festland und den davor liegenden Bissagosinseln verstreuten Teile sind aber erstl879 von den Portugiesen zur Provinz Guinea zusammengefaßt worden. Sie ist mit 34,000 qkm Fläche so groß wie Württemberg und Baden zusammen undhat 820,000Eiawohner(nachGoth.Kalender u.Statesmansyearbook; nach andern nur 200,000). Die Bevölkerung ist bunt gemischt aus Papeis, Mandingo, Fulbe, Kru u. a. Portugiesisch-Guinea ist zum großen Teil Niederland mit einem tief ins Innere eingreifenden, 170 km weit schiffbaren Flußnetz (Rio Caecho, R. Grande, R. Geba), das die Küsten­region in zahllose Ästuarien und Inselchen zerschneidet: der Bissagos- Archipel. Da auf diesen Niederungen ein heißes feuchtes Klima mit 26° mittl. Temp. in der Regenzeit, 32° in der Trockenzeit, und 15003000 mm Jahresregen liegt, sind sie ein höchst ungesunder Aufenthalt für den Europäer, selbst für den klimaharten Por­tugiesen.

Der fruchtbare Boden, der Waldreichtum in der westlichen, dem regenbringenden Südwestmonsun ausgesetzten Hälfte des Landes und die Arbeitsfähigkeit der Negerbevölkerung könnten die wirtschaftliche Entwicklung Portugiesi.jcb-Guineas aussichtsvoll fördern, wenn nicht die Eingeborenenstämme in fortwährendem Kampf miteinander und mit den Portugiesen lägen, und wenn die portugiesische Verwaltung nicht so kurzsichtig und rückständig wäre, wie sie ist. Einst war Portugieshch- Guinea ein Haupt Sklavenexport-Gebiet für die Kapverden, für Säo