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Das portugiesische Kolonialreich der Gegenwart : mit 8 Bildertafeln, 2 Textkarten und e. Literaturverzeichnis / von Hans Meyer
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die Gouverneure von Timor und Makao keinen Schritt aus eigner Ini­tiative tun könnten, selbst wenn sie wollten; was freilich kaum einer von ihnen tut, da sie, meist Offiziere, an das Gehorchen gewöhnt sind, von Wirtschaftlichem nichts verstehen und bloß Interesse an der glatten Einnahme ihrer Gehälter (6Contos= 20,000 Mark) und an sonstigen Zuflüssen haben, um nach 5 jähriger Dienstzeit die Kolonie wieder zu verlassen.

Wenn wir uns nun die einzelnen Kolonien näher ansehen, um die Grundzüge ihrer natürlichen Beschaffenheit, ihrer geographischen Ausstattung, ihrer Bevölkerung, ihres Kultur- und Wirtschaftsstandes, ihrer Entwicklungsmöglichkeiten, ihres Zukunftswertes zu erfassen, so werden wir hauptsächlich in den Kolonien Afrikas verweilen und die asiatischen kleinen Besitzungen nur flüchtig streifen. Aber wir schließen bei unsrer Wanderung durch das portugiesische Kolonialreich auch die beiden atlantischen Inselgruppen Azoren und Madeira nicht aus, obwohl sie, wie erwähnt, nicht eigentliche Kolonien im staatsrecht­lichen Sinn, sondern Verwaltungsbezirke des nahen portugiesischen Mutterlandes sind.

1. Die Azoren und Madeira.

Die Azoren und Madeira gehören der langen Reihe vulkanischer Inselgruppen im Ost-Atlantik an, die von den Azoren im Norden bis zu den Kapverden ziehen und Zeugnis von einer starken tektonischen Störung nahe dem Ostrand des atlantischen Beckens geben. Dem vulkanischen Aufbau entspricht der Landschaftscharakter, die Bodenbeschaffenheit, die wirtschaftliche Bodennutzung. Sind die Vulkaninseln jung, wenig verwittert und großenteils lockere Auf­schüttungen von Bimsstein und vulkanischer Asche, wie auf den Azoren, so ist es nicht gut um ihre Wirtschaftlichkeit bestellt; sind sie älter und stark verwittert, auch vorwiegend zersetzte Lavagesteine, wie auf Madeira, so bieten sie der Bodenbestellung ein reiches fruchtbrin­gendes Arbeitsfeld. Es fragt sich nur, wie das Klima (Niederschläge) ist, welche Fähigkeiten die menschlichen Bewohner zur Bodenbearbeitung mitbringen und wie sie den Boden untereinander aufgeteilt haben.

a) Die Azoren.

Die schon den Phönikem bekannten und 1431 von Cabräl wiederent­deckten Azoren (agor = Habicht, also Habichtinseln) geben mit ihren kräftig bewegten vulkanischen Bergformen, mit ihren dunklen, weiß umbrandeten Steilküsten, ihren Kraterbuchten, tiefen Bach- und Fluß-