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Das portugiesische Kolonialreich der Gegenwart : mit 8 Bildertafeln, 2 Textkarten und e. Literaturverzeichnis / von Hans Meyer
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zwingen wird, wenn sich nicht bald ein anderer Mächtiger dieses wert­vollen Stückes westafrikanischen Landes annimmt.

4. Die Inseln Säo Thome und Principe.

Keine portugiesische Kolonie wird von den Portugiesen so über­schwenglich gepriesen wie die beiden kleinen Inseln Säo Thomö und Principe im Golf von Guinea; sie sinddie Juwele der lusitanischen Kolonien, ja sogardas irdische Paradies. Keine andere Kolonie hat sich aber auch so rapide entwickelt und wirft den Portugiesen so große Handelsgewinne und Finanzeinnahmen ab wie diese beiden Guinea­inseln. Beide zusammen bilden die Provincia de Säo Thomä.

Vulkanischen Ursprunges, wie die ganze Inselreihe des Golfes von Guinea und wie der Pik von Kamerun, haben die Inseln einen von den tropischen Klimakräften tief verwitterten äußerst fruchtbaren Boden der basaltischen und trachytischen Laven. Das im Pico de Säo Thome bis 2140 m aufgetürmte Inselgebirge fällt nach Westen und Süden, woher die Winde des Südwestmonsuns und die Wogen der Südäquatorialströmung branden, in steilen Küsten zur See ab, während nach Norden und Osten sich die Hänge leicht neigen. Auf diesen geschützten Nord- und Ostseiten öffnen sich weit die Baien mit den Hafenplätzen Säo Antonio auf Principe und Säo Thome auf der gleichnamigen Insel. Nur gegen die in der Tornadozeit aus Osten hereinbrechenden Gewitterstürme bieten auch diese Häfen keinen Schutz. Übrigens ist selbst der Haupthafen mit dem Städtchen Säo Thome sehr der Verbesserung bedürftig, da wegen der starken Ver­schlammung die Dampfer 1 / 2 km vom Ufer vor Anker gehen müssen.

Zahllose wasserreiche und sedimentführende Bäche rauschen von den Bergen zu Tal. Das Klima ist typisch tropisch mit mehr als 26° mittl. Jahreswärme und mehr als 1500 mm Niederschlägen, die in 2 Regenzeiten fallen. Aber auf Säo Thomö ist wohl infolge kühlen Auf trieb Wassers und der größeren Ferne vom Festland das Klima gesünder, als die Lage fast genau unter dem Äquator erwarten läßt, wogegen Principe für sehr ungesund gilt und viel dünner bevölkert ist. Beide Inseln hatten 1913 rund 70,000 Bewohner, darunter 2000 Europäer. Beide sind zusammen mit 940 qkm (nach Goth. Kal.) so groß wie das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt.

Von beiden Inseln ist Säo Thome mit 830 qkm dem 110 qkm großen Principe fast 8 fach überlegen. Principe, derGarten Afrikas, wie es die Portugiesen nennen, liegt völlig zugedeckt unter dichtester Tropenvegetation, die vom Meere bis zum Gipfel des Monte Papagayo