Teil eines Werkes 
2 (1915) Das Deutschtum in Galizien / von Theodor Zöckler
Entstehung
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1. Land und Leute in Galizien.

Wer hätte es gedacht, daß Galizien, dieses in kul­tureller Beziehung am meisten zurückgebliebene und we­gen seiner Lage bis vor Kurzem am wenigsten beachtete unter den Kronländern der österreichisch-ungarischen Mo­narchie, plötzlich so in den Mittelpunkt des allgemeinen Weltinteresses gerückt werden würde, wie dies seit dem Ausbruch des großen Weltkrieges geschehen ist? Tiefer und weiter Blickende haben freilich auch schon früher dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß dieses Land ein­mal eine große Bedeutung gewinnen würde. Seine Lage inmitten Europas auf dem Gebiet, auf dem die großen Straßen von Westeuropa nach Rußland und Asien sich mit den Wegen kreuzen, die von der Ostsee zum Schwarzen Meer führen, hat ihm schon lange eine große Zukunft in wirtschaftlicher Beziehung geweissagt. Dazu kommt aber auch die politische Bedeutung, die das Land als Grenzland Österreich-Ungarns gegen Rußland besitzt. Diese letztere Bedeutung ist durch den Weltkrieg plötzlich in hellste Beleuchtung gesetzt worden.

EinLand der Gräber und Kreuze" hat man Galizien in Anlehnung an ein Wort des polnischen Dich­ters Krasinski genannt. Wer das Land im Winter und Frühjahr dieses Jahres, den Spuren der vordringenden verbündeten Armeen folgend, gesehen hat, der wird die Wahrheit dieses Wortes bestätigen. Wie viele Gräber tapferer Soldaten, deutscher, österreichischer, ungarischer, füllen dieses Land! Welche Ströme Bluts sind in den Karpathenbächen heruntergerollt von den Höhen, auf denen in Schnee und Eis monatelang die gewaltigsten Kämpfe stattgefunden haben, die die Welt gesehen hat! Und welche Bilder der Verwüstung stellen die galizischen

Da» Deutschtum

tu Galizien. : 1 : 1