Die deutschen Karpathendörflein werden noch eine große Bedeutung bekommen, und dann wird es sich erst zeigen, was die Vorsehung plante, als sie hier mitten in der fremden Umgebung diese kleinen, trauten Stätten deutschen Volkstums erstehen ließ.
5. Die deutsche Schutzarbeit.
Die Entwicklung der deutschen Schutzarbeit in Gali- zien gehört zu den erfreulichsten Kapiteln in dem Aufblühen der in der neueren Geschichte des österreichischen Deutschtums überhaupt so bedeutungsvollen Schutzvereinsbewegung. Was unter den schwierigsten Verhältnissen ohne alle offizielle Unterstützung, ja vielfach unter dem Widerstand der Behörden mit den bescheidensten Geldmitteln lediglich durch eigene Kraft, Begeisterung und vor allem auch Einigkeit ein um sein Volkstum kämpfen- des Häuflein Deutscher erreichen kann, — dafür ist die völkische Bewegung in Galizien ein leuchtendes Beispiel. Sie ist dies um so mehr, als sie sich auf einem düsteren Hintergrund abhebt.
Es wurde schon darauf hingewiesen, in welch schwierige Lage das galizische Deutschtum im Lauf der Jahrzehnte dadurch geriet, daß Galizien in die fast unumschränkt selbständige Verwaltung der Polen kam, die in immer steigendem Maß auf die Ausmerzung des Deutschtums hinarbeiteten. Man tut den Polen Unrecht, wenn man behauptet, daß sie in Bausch und Bogen den Segen und Nutzen verkannt hätten, welche die deutsche Kolonisation, der deutsche Gewerbefleiß und die deutsche Kultur für das Land gebracht haben. Sogar am Anfang unseres Jahrhunderts waren noch in unsern galizischen Volksschulen Lesebücher im Gebrauch, in welchen bei der Behandlung der verschiedenen galizischen Volksstämme die deutschen ausdrücklich als ein solcher genannt und die deutschen Kolonien in anerkennenswerter Weise geschildert wurden. Anläßlich der im Jahre 1903 mächtig angeschwollenen Auswanderbewegung schrieb das Organ der konservativen Partei, der Krakauer „Czas", ausdrücklich:
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