2. Das deutsche Volkselement in Galizien.
Obwohl in der Hauptsache ein slawisches Land, hat doch Galizien seit alten Zeiten auch einen starken Einschlag deutscher Bevölkerung gehabt und die Spuren deutscher Kultur, deutscher Arbeit, deutschen Fleißes haben sich tief in das Land eingegraben.
Als in den Kämpfen des verflossenen Kriegsjahres die deutschen Truppen vorn Westen her in den großen Schlachten des Winters nach Neu-Sandez kamen, da waren sie ganz erstaunt, neben Polen, Ruthenen und Juden auch ein starkes deutsches Volkselement in dieser Stadt und ihrer Umgebung zu finden. Als dann die Truppen der deutschen Südarmee über Ungarn her in die Karpathen einrückten, da fanden sie dort, wo sie nur eine fremde, slawische Bevölkerung vermutet hatten, mit einmal deutsche Dörfer mit deutschem Namen, Annaberg, Feliziental, Josefsthal, Leopoldsdorf, Brigidau, Neudorf u. s. f. Und in diesen deutschen Dörfern ertönte die liebe heimische deutsche Sprache, wehte deutsche Luft, liefen blauäugige, blondhaarige Kinder herum, und die deutschen Soldaten fühlten sich dort zu Hause. Und so wars, als im Südosten in der tapferen Armeegruppe Pflanzer- Baltin deutsche Kavallerietruppen nach Sniatyn, Kolomea, Nadworna vorrückten. Sie fanden auch dort deutsche Dörfer, sie konnten in Kirchlein eintreten, in denen sie die Predigt in ihrer lieben Muttersprache hörten, sie her- bergten in deutschen Schulen und deutschen Bauernhäusern.
Von welcher Seite man auch nach Galizien kommt, man wird überall neben dem slavischen und jüdischen, auch auf das deutsche Volkselement stoßen. Man wird überall finden, daß die deutsche Sprache in diesem Land noch eine große Bedeutung besitzt, wie sie denn auch tatsächlich nach dem geltenden Recht, neben der polnischen und ruthenischen, die dritte Landessprache ist.
Wenn man freilich die offiziellen Volkszählungen zu Rate zieht, so scheint die deutsche Bevölkerung in Galizien doch nur einen sehr geringfügigen Bruchteil darzustellen.
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