Teil eines Werkes 
2 (1915) Das Deutschtum in Galizien / von Theodor Zöckler
Entstehung
Seite
40
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deutsch die Vortragssprache. Angesichts aller dieser Tat­sachen konnte ein Reisender, der Galizien im Jahre 1840 bereist und darüber berichtet hat, I. G. Kohl, mit Recht sagen:Die deutschen Wohltaten, welche Galizien durch österreichische Vermittlung zuströmten, sind so unbeschreib­lich und mannigfaltig, daß es einem unparteiischen Reisen­den, er mag von Rußland oder Ungarn aus das Land be­treten, unmöglich ist, nicht gleich davon frappiert zu werden."

4. Deutsches Dorfleben in Galizien.

Es ist ein wunderbares, eigenartiges Gefühl, welches den deutschen Wandersmann beschleicht, der Galizien durchreist, um die Verhältnisse seiner Volksgenossen kennen zu lernen, wenn er plötzlich mitten in der slavischen Umgebung ein deutsches Dorf entdeckt. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die deutschen Ansiedlungen auch heute noch von den polnischen und ruthenischen Dörfern beträchtlich, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß namentlich die Polen in Westgalizien im Laufe der Jahre es immer mehr verstanden haben, ihre Bauernwirtschaft zu heben. Die ruthenischen Dörfer in Ostgalizien haben gewiß etwas Romantisches und Anheimelndes an sich. Meist strecken sie sich in Flußtälern malerisch zu beiden Seiten eines plätschernden Büchleins, dessen Ufer mit hohen Bäumen bestanden sind, in unregelmäßigen Reihen dahin. Es sind kleine, strohbedeckte Lehmhütten, um­geben von Zäunen aus Weidengeflecht, die lauschig zwischen Birken und Weiden, hin und wieder auch zwischen Obstbäumen hervorlugen. In der Mitte steht das griechisch- katholische Holzkirchlein im byzantinischen Stil mit vier Kuppeln, überragt von einer fünften, die sich gleichsam als Krone aus der Mitte über die anderen erhebt. Phantastische Heiligenbilder zieren das Gotteshaus, dessen Holzbedachung weit über die Wände hervorragt und damit eine Art Galerie schafft, in der man sich draußen auch bei Regen aufhalten kann.

Aber so interessant und idyllisch sich ein solches Dorf auch ausnimmt, bedarf es doch keines großen Scharfblickes,