Teil eines Werkes 
2 (1915) Das Deutschtum in Galizien / von Theodor Zöckler
Entstehung
Seite
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9. Schlußwort.

Noch ist das große Ringen nicht vorbei. Auch in Galizien wird noch heiß gerungen. Und auch auf dem kleinen Gebiet im äußersten Osten Galiziens, das die Russen noch hartnäckig festhalten, sind es neben Polen und Ruthenen kleine deutsche Häuflein, welche den Krieg in seiner ganzen Schwere und Furchtbarkeit über sich ergehen lassen müssen.

Noch währt das heiße Ringen. Das Ringen mit der Not, mit dem Hunger, mit den Seuchen. Der Winter bricht herein. Hunderttausende, und darunter viele Tau­sende wackrer deutscher Volksgenossen, gehn ihm ohne Obdach, ohne warme Kleidung, ohne Nahrungsmittel, ohne Brennholz und Heizmaterial entgegen. Wohl wird geholfen; aber oft scheints, als sei die Not ein Niese und die Hilfe doch nur ein Zwerg.

Und bei dem allen geht durch die Herzen eine fieber­hafte Spannung, ein banges Harren, ein Fragen und Forschen:Was wird die Zukunft bringen?"

Ja, die Zukunft! Wenn sie den ersehnten Lohn, die Erfüllung der leidenschaftlichen Hoffnungen, die Ver­wirklichung der kühnen Träume bringen würde o dann wäre alle Not bald vergessen; dann würden auch die schwersten Opfer noch länger gern ertragen!

Vielleicht werden in keinem Lande von diesem Kriege, von dem Frieden, den er bringen soll, so große Dinge erwartet, wie in Galizien. Die beiden großen Nationen, die unser Land bewohnen, die Polen und die Ruthenen, erhoffen beide vorn Frieden nicht mehr und nicht minder als die Verwirklichung ihrer nationalen Ideale, die Er­langung der staatlichen Selbständigkeit für sich und ihre Volksgenossen jenseits der Grenze.

Ohne auf diese Hoffnungen näher eingehn zu wollen, müssen wir doch die eine Frage noch ins Auge fassen, welche die Herzen vieler wackrer Deutschen im österreichischen Karpathenlande jetzt bewegt. Wie wird es, wenn sich die polnischen und ruthenischen Hoffnungen, sei es in welcher Form immer, ganz oder teilweise ver-

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