zunächst einer weiteren, leistungsfähigen deutschen Mittelschule für Galizien durchzusetzen. Die vorbereitenden Schritte hierzu waren bereits vor dem Kriege eingeleitet worden, als Ort war Stanislau ausersehen, und die neue Mittelschule sollte in Form einer Doppelanstalt (eine Gymnasial- und eine Realgymnasialabteilung) errichtet werden. Durch den Krieg ist diese wichtige Sache wohl aufgeschoben, aber nicht aufgehoben worden.
Überblickt man das Ganze des deutschen Schulwesens in Galizien, so wird man sagen: Es steckt darin soviel Treue, Hingabe und Kraft deutschen Wesens und deutscher Art, daß man nicht daran zweifeln kann, daß, nachdem einmal die schwersten Zeiten vorüber sind, dem deutschen Schulwesen in Galizien eine glückliche Zukunft beschieden ist.
7. Deutsche Liebesarbeit in Galizien.
Vor einigen Jahren wurden unsere katholischen deutschen Gemeinden in Galizien mit einer Schmähschrift überschüttet, in welcher sie vor den Bestrebungen der nationalgesinnten Kreise, insbesondere vor dem Bunde der christlichen Deutschen in Galizien und dessen Organ, dem Deutschen Volksblatte, dringend gewarnt wurden. Der Verfasser dieser Schriften, dessen schlechtes Deutsch deutlich genug verriet, in welchen Reihen er zu suchen war, empfahl den katholischen Deurschen den unbedingten Anschluß an das Polentum, dessen Kultur innerlicher, reicher und religiöser sei als die rauhe egoistische deutsche Kultur, die zwar einen Luther und Bismarck hervorgebracht hat, aber auf den Gebieten des praktischen Christentums und der werktätigen Liebe nichts leisten könne. Als Beweis für diese wunderliche Behauptung führt der Verfasser die Tatsache an, daß die Deuischen in Galizien wohl einen Trutzbund und eine nationale Zeitung hätten, aber keine Liebeswerke, keine Heilanstalten für Arme, Schwache und Kinder, keine Nonnenhauser und Ordensniederlassungen.
Nun würden zwar schon die Kenner der Geschichte diesen Pamphletisten darüber belehren können, daß es
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